Die Erfahrungen der Nichtigkeit menschlichen Lebens und der Verfall moralischer Werte während des Ersten Weltkrieges führten in den 20er Jahren zu einer unbändigen Lebens- und Genusssucht. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie war für breite Bevölkerungskreise ihr scheinbar fest gefügtes Weltbild zerstört. Der Kriegsausbruch 1914 bedeutet die "Todeskrise des alten Europa" nach über einer 40jährigen Friedenszeit seit 1871. Die aus Niederlage und Revolution hervorgegangene Weimarer Republik mit ihrer Nationalversammlung wurde so von vielen als ein Resultat "Deutscher Schmach" verhöhnt und abgelehnt. Die Deutschen waren zwar keine besseren Menschen und keineswegs die Unschuldslämmer in mitten der Völkerleidenschaft. Sie glaubten außerdem noch fest an General Feldmarschall Hindenburgs Legende vom "Dolchstoss". Die Demoralisierung, die sich nach dem Matrosenaufstand von Kiel wie ein Steppenbrand über Deutschland verbreitet und die Autorität der Monarchie zerstörte, war ein schwerer Schlag für jene, die einen rechtzeitigen Thronverzicht des Kaisers erhofft hatten. Nur so meinten sie, würde die Monarchie als Institution noch zu retten sein.
Scheidemann ruft die Republik aus: 9. November, 14.00 Uhr
Scheidemann: "Deutschland ist eine Republik"
Die drohende Räterepublik nach sowjetischem Muster stand nun wie ein Damoklesschwert über dem ehemaligen Kaiserreich. Diese Gefahr musste man zuvor kommen. So sprach der zweite führende SPD-Politiker Philipp Scheidemann am 9. November 1918 vom Balkon des Reichstages, die Schicksalswendenden Worte: "Deutschland ist eine Republik".
Karl Liebknecht ruft die Räterepublik aus: 9. November, 16.00 Uhr
Zwei Stunden später, gegen 16.00 Uhr, ruft Kommunistenführer Karl Liebknecht vom Balkon des Berliner Schlosses die Räterepublik aus. Am Abend des 9. Novembers übergab Max von Baden die Regierungsgeschäfte an Friedrich Ebert. An der Tür wandte der Kaiserliche Reichskanzler sich noch einmal um: "Herr Ebert, ich lege ihnen das Deutsche Reich ans Herz." Ebert erwiderte: "Ich habe zwei Söhne für dieses Reich verloren..."
Eine Zeitenwende, deren Zwangsläufigkeiten verhängnisvolle Auswirkungen haben sollten. Keine einzige Handlungsweise hat den Politikern der Weimarer Republik mehr geschadet, als die Unterzeichnung des Vertrages, der Deutschland die alleinige Kriegsschuld gab. Mochte die neue Regierung auch unter dem unausweichlichen Druck der Siegermächte gestanden haben: Jedenfalls die Unterschriften des Reichsaußenministers Hermann Müller (SPD) und des Kolonial- und Verkehrsministers Johannes Bell (Zentrum) vom 28. Juli 1919 wurden zur gefährlichsten Hetz-Waffe in den Händen der rechten Opposition. Für die Sieger sollte der Versailler Vertrag - aber das wussten sie damals nicht - zum Bumerang werden. Denn ein politisches Diktat hält nicht länger als die Machtverhältnisse, die dahinter stehen. Brisante Schlagworte vergifteten von nun an den innerpolitischen Streit. Die Rechtsopposition sprach andauernd von: "Dolchstoß", "Schandvertrag" und "Kriegsschuldlüge". Hitler brachte dann alles auf ein einzige Formel: "Novemberverbrecher!"
Lebensmittelkarten und Notgeld
Für die Bevölkerung war der Alltag auch in Sachsen nicht durch die politische Krisensituation geprägt, sondern ebenso stark von der unzureichenden Lebensmittel- und Brennstoffversorgung, die sich seit Kriegsende nicht wesentlich verbessert hatte. Lebensmittelkarten und Notgeld gehörten daher auch zum Nachkriegsalltag der Zittauer.
Je geringer der Wert des Geld, desto größer wurde die Not
Dabei erreichte die Inflatin astronomische Höhen
Es kam, wie es kommen musste: Generallandschaftsdirektor Kapp und Reichswehrgeneralleutnant v. Lüttwitz inszenierten den ersten Rechtsputsch in Deutschland. Anlass war, dass die Brigade Ehrhard, eines der großen Freikorps (500 Soldaten), aufgelöst und entwaffnet werden sollte. Das wollte die ewig gestrigen Militärköpfe eben nicht. Sie dachten daran, "die Demokraten aus Weimar wegzuputzen".
Die so genannten Freikorps existierten hauptsächlich in den Jahren 1918 - 1921, allerdings eher inoffiziell, als eine Art Task Force. Die damaligen Regierungen setzten sie für "Sonderaufgaben" ein, bei denen reguläre Polizeieinheiten oder die Reichswehr aus politischen Gründen nicht zum Einsatz kommen konnten. Freikorps-Einsätze wurden von den Auftraggebern stets verleugnet. Die Freikorps setzten sich zusammen aus ehemaligen Soldaten und Offizieren, die nach der Rückkehr aus dem 1. Weltkrieg keinen Weg mehr zurück in ein bürgerliches Leben fanden. Später schlossen sich auch Arbeitslose und Abendteurer den Freikorps an.
Auch die sächsischen Arbeiter zogen am 15. März 1920 gegen Kapp und Lüttwitz zu Felde. Generalstreik im ganzen Land! Allein 15.000 Demonstranten zogen auf den Zittauer Marktplatz. Unter den Demonstranten standen auch die Arbeiter aus Seifenhennersdorf, Hirschfelde, Reichenau, Großschönau und Ostritz fest zur Seite. Nach Ansprache von Hermann Hänsch und Hermann Schütze (beide SPD), Wilhelm Treibig und Fritz Tschapek (USPD) zogen die Massen zur Mandau Kaserne um dort gelagerte Waffen zu beschlagnahmen. Im Hotel "Sächsischer Hof", an der Post und am Bahnhof wurden Wachen mit Maschinengewehrposten zum Schutz der Weimarer Republik eingerichtet. Man war vereint kampfbereit gegen Rechts: SPD, USPD, KPD und Gewerkschaften. Als jedoch nach drei Tagen die Nachricht vom Zusammenbruch des Kapp-Putsches eintraf, löste sich auch der Generalstreik auf. Die Regierung in Weimar entzog sich durch die Flucht nach Stuttgart dem Zugriff der Rechtsputschisten. Die regulären Truppen der Regierung und die Reichswehr, warteten das ganze geschehen, ohne einzugreifen ab. Wie gesagt, nach drei Tagen war der Kapp-Spuk vorbei.
Spartakisten gegen Regierungstruppen - Tausende verloren ihr Leben
Alles für das Volk?
Nun aber musste auf Verlangen der bürgerlichen Parteien neu gewählt werden und da war es mit der Mehrheit der Weimarer Gründerparteien vorbei. Sozialdemokraten, Zentrum und Deutsche Demokratische Partei, die im Januar 1919 rund 75 % der Wählerstimmen gehabt hatten, verloren im März 1920 von zehn Wählern vier. Was hatte einst Philipp Scheidemann vom Reichstagsbalkon ausgerufen? "Der Kaiser hat abgedankt. Er und seine Freunde sind verschwunden. Über sie alle hat das Volk auf der ganzen Linie gesiegt! Der Prinz von Baden hat sein Reichskanzleramt dem Abgeordneten Ebert gegeben. Unser Freund wird eine Arbeiterregierung bilden, der alle sozialistischen Parteien angehören werden. Die neue Regierung darf nicht gestört werden in ihrer Arbeit für den Frieden, in der Sorge um Brot und Arbeit. Arbeiter und Soldaten! Seid euch der geschichtlichen Bedeutung dieses Tages bewusst. Unerhörtes ist geschehen. Große und unübersehbare Arbeit steht uns bevor. Alles für das Volk, alles durch das Volk. Nichts darf geschehen, was der Arbeiterbewegung zur Unehre gereicht. Seid einig, treu und pflichtbewusst."
Ein schöner Traum, der nach zehn Jahren Weimarer Regierungsverantwortung endgültig platzen sollte. Nach dem ersten Reichsputsch folgte ein starker Linksruck. Am 6. Juni 1920 fanden erneut Reichstagswahlen statt.
In der Amthauptmannschaft Zittau stellten sich auch die Kommunisten auf: 930 Wähler stimmten hier für die KPD (Liste Klara Zetkin) davon 231 in der Stadt Zittau. Relativ hoch war die Stimmenzahl für die KPD in Großschönau, Ostritz und Königshain. Die SPD verlor im Bereich Zittauer gegenüber den Wahlen zur Nationalversammlung fast die Hälfte ihrer Stimmen. Dennoch bleiben die Sozialdemokraten mit 15.345 Wählern die stärkste Partei in der Amthauptmannschaft Zittau. Nutznießer der Putsch- und Streikereignisse war vor allem die Unabhängige Sozialistische Partei Deutschlands (USPD). Sie konnte sich von 2850 (19.1.1919) auf 12.917 Stimmen steigern. Von den bürgerlichen Parteien erhielt wieder die Deutsche Demokratische Partei (DDP) mit 13.818 Wählern die höchste Stimmenzahl. Vor allem machte die örtliche SPD-Führung für den Linksruck die "verheerende" wirtschaftliche Situation verantwortlich." Es war eine Zeit, in der alle Preise 15-mal so stark steigen, als die Löhne der Arbeiter. Ein Pfund Brot kostet z.B. 4 Mark, 1 Pfund Fleisch 14 Mark. Ein Zentner Kartoffeln 40 Mark. Ein Zentner Kohlen 30 Mark."
Zittauer Putsch aus Hunger
Wenige Wochen nach den Reichswahlen kam es dann zum so genannten Zittauer Putsch, denn nach den Hungerdemonstrationen vom August 1919 in der Stadt war überhaupt keine Besserung eingetreten.
Nicht nur Sachsen, ganz Europa war brüchig und die demokratischen Kräfte reichten nicht aus, die Weimarer Republik am Leben zu halten. Die Bevölkerung in Deutschland, Österreich und Italien wurden anfällig für die Versuchungen, den Nationalsozialismus als Ausweg aus den Miseren der zwanziger Jahre zu sehen. Die nationalsozialistische Vergiftung schritt unaufhaltsam voran. Bleiben beispielsweise die "Schwarzhemden" Oswald Mosleys in England nur eine belächelte Episode, so wurden die Braunhemden in Deutschland und Österreich immer mehr zu Machtfaktoren.
Mit klaren Parolen trat die KPD zum Wahlkampf an
In Zittau und Umgebung festigten sich die Kommunisten zunächst auf Grund der vorausgegangenen Kampftage, wie auch anderswo in Deutschland. Die Stimmungslage: Proteste, Streiks und Angst der Bürgerlichen - ein explosiver Cocktail. Im KPD-Unterbezirk Zittau avancierte Theodor Weber aus Großschönau zum 1. politischen Sekretär. Der Unterbezirk gliederte sich in die Ortsgruppen:
1. Eichgraben - Leiter: Heinrich Wollmann
2. Friedersdorf - Leiter: Adolf Hanspach
3. Großschönau - Leiter: Fritz Grund
4. Hirschfelde - Leiter: Artur Wolf
5. Jonsdorf - Leiter: Max Richter
6. Kleinschönau - Leiter: Gustav Triebe
7. Königshain - Leiter: Paul Riedel
8. Niederoderwitz - Leiter: Emil Morche
9. Oberseifersdorf - Leiter: Reinhold Hentschke
10. Ostriz - Leiter: Otto Schadler
11. Reibersdorf - Leiter: Gustav Stübner
12. Reichenau - Leiter: Johannes Böhmer
13. Seifenhennersdorf - Leiter: Emil Marschner
14. Zittau - Leiter: Johannes Bittke
Hitler tritt erstmal öffentlich auf
Zu dieser Zeit rief in München die Deutsche Arbeiter Partei Anton Drexlers zur ersten Großveranstaltung im Festsaal des Hofbräuhauses auf. Drexler zu Hitler: "Adolf nun kommt der Sprung in die Öffentlichkeit." Also trug Hitler die neuen Leitsätze vor:
1. Zusammenschluss aller Deutschen zu einem Großdeutschland,
2. Aufhebung des Versailler Vertrages,
3. Neuerwerbung von Kolonien,
4-7. Ausschluss der Juden aus der Volksgemeinschaft.
Der Mittelteil der Leitlinien war für soziale Belange reserviert: z.B. Gewinnbeteiligung an Großbetrieben, Bodenreform, Volksbildung und weitere. Ferner forderte das Programm ein Volksheer statt der "Söldnertruppe" und widmete sich im längsten Abschnitt (23) der "Schaffung einer deutschen Presse", deren Mitarbeiter nur Volksgenossen, also nicht Juden, sein durften.
Nur wenige Tage nachdem sich die DAP diesen Leitsätzen unterworfen hatten, setzte sie ihrem Namen das Wort "Nationalsozialistisch" voran. Doch diese Namensbeziehung war nicht vorbildlos: Eine "Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei" existierte schon seit 1918 in Österreich. Und: Sie verwendeten sogar das Hakenkreuz als Symbol. DAP-Parteichef Drexler trimmt jetzt die neuen fünf Buchstaben seiner Partei auf die politische Formel: "Zwischen Arbeitern und Proletariern soll ein scharfer Trennungsstrich gezogen werden." Vielen erschien der Gedanke bestechend: Die Vertretung der Arbeiterinteressen nicht dem internationalen Marxismus mit seinen geistigen Zentrum Moskau zu überlassen, sondern eine sozial bestimmte Volksgemeinschaft aller Schichten zu schaffen, worin sich ein Sozialismus ohne Klassenkampf dem nationalen Empfinden versöhnt.
Die bürgerliche Angst vor dem Kommunismus
Wer den Erfolgen der Rechten nachgeht entdeckt dabei, dass sie sich seit Napoleon auf einen getreuen Wahlhelfer verlassen kann: Die Kommunisten-Angst der Bourgeoisie. Auch Bismarck profitierte jahrelang von dem Entsetzten, das die Bürger Europas durch den Aufstand der Pariser Kommune von 1871 ergriffen hatte. Die nächste Generation wurde von den Zarenmördern in Schrecken gehalten. Auch die Deutschen brauchten nicht weit schauen. Soldaten hatten gemeutert, die "Hefe des Volkes" war aufgestanden gegen Kaiser und Generale, das nationale Weltbild wankte. Der Geist der Armee war schon längst gebrochen, spätestens als die Offiziere der Reichswehr im Kasino unter dem Bild ihres Staatoberhauptes und Oberbefehlshabers Friedrich Ebert über den "Sattlergesellen" spotteten. Ohne Bindung an den Staat stand die Truppe bereit zum Werkzeug eines Verbrechens abzusinken. Sie hatte ihre Tradition gegen die Linke zu wahren gewusst, gegen Stresemann opponiert, gegen die Umarmung von Rechts war sie jedoch machtlos. Die antirepublikanischen Kräfte der Rechten sahen in der Reichswehr ihr legales Instrument gegen Links.
Kämpfte mit Karl Liebknecht für Kommunismus: Rosa Luxemburg
Wieder gingen die Arbeiter auf die Strasse. Sie protestierten gegen die Morde an Matthias Erzberger (26. August 1921) und Walter Rathenau (27. Juni 1922). Erzberger galt bei den Rechten als Vaterlandsverräter. Er hatte 1918 die Kapitulation von Compiègne als Reichsfinanzminister unterzeichnet. Erzberger wurde während eines Spaziergangs mit dem Zentrums-Abgeordneten Karl Diez im Schwarzwald auf dem Gniebis von zwei Tätern erschossen. Die Polizei stieß bei den Ermittlungen auf die Namen der Täter, Schulz und Tillessen von der Organisation Consul, die aus dem Freikorps der Brigade Erhart, die schon am Kapp-Putsch beteiligt war, hervorging. Verurteilt wurden sie erst in den Jahren 1947 und 1950 zu 15 bzw. 12 Jahren Zuchthaus wegen Mordes und Totschags.
Rathenau war als Minister für Wiederaufbau dafür zuständig, die Bestimmungen des Versailler Vertrages umzusetzen. Unter anderem hatte er einen Teil des oberschlesischen Industriegebietes an Polen abzugeben. Auf der Fahrt von seinem Haus im Berliner Grunewald ins Auswärtige Amt wurde Rathenau am 24. Juni 1922 von einem Wagen verfolgt und schließlich überholt. Einer der Mitfahrenden feuerte aus einer Maschinenpistole zehn Schüsse auf den Außenminister ab, ein weiterer Täter war zudem eine Handgranate in den Wagen. Der Fahrer der Attentäter wurde zwei Tage später festgenommen. Die Mörder selbst, Erwin Kern und Hermann Fischer, konnten sich wochenlang der Verhaftung entziehen, ehe sie schließlich auf Burg Saaleck gestellt wurden. Kern starb beim Schußwechsel mit der Polizei, Fischer beging Selbstmord. Drei Wochen lang hatten alle Polizeibehörden Deutschlands nach ihnen gefahndet. Auf die Ergreifung der beiden Rathenau-Attentäter waren eine Million Reichsmark ausgesetzt.
Die Oberlausitz streikt
Auch in Folge der sich ständig verschlechternden Lebenslage der Textilarbeiter begann am 10. November 1921 in der Mechanischen Weberei Zittau wieder ein großer Streik, der sich rasch auf die gesamte Oberlausitz ausdehnte. Wieder ging es auf die Strasse. Nach einer Woche hatte der Streik 52 Betriebe mit etwa 16.000 Arbeitern im Kreis Zittau und Löbau erfasst. Das sächsische Arbeitsministerium griff ein und wirkte auf die Textilunternehmer Druck aus.
Baumwollspinnerei Schmitt - Zittau war ein Zentrum der Textilindustrie
Die Textilarbeiter konnten sich durchsetzen. Anders lief es bei den Eisenbahnern. Ihr Streik war gegen die vom Reichspräsidenten Ebert erlassene Notverordnung gerichtet, die den Eisenbahnern das Streikrecht absprach. Am 5. Februar 1922 wurde der gesamte Betrieb auf dem Bahnhof Zittau still gelegt. Die Streikführer wurden verhaftet und die Streikenden mussten bedingungslos aufgeben. In dieser allgemein tristen Stimmung kletterten die Preise unaufhaltsam in die Höhe: Ein Kilo Butter, innerhalb von zwei Monaten von 17.800 Mark auf 30.300 Mark. Ein Arbeiter verdiente dazu oft weniger als 50 Prozent des Existenzminimums. Zum Höhepunkt der Auseinandersetzungen in Zittau beim Arbeitskampf und Protest gegen die Regierung kam es in den Tagen vom 23.-25. September 1923. Nachdem die Währung völlig zusammengebrochen und damit die Existenzgrundlagen der Bevölkerung aufs äußerste gefährdet waren, schlugen die Wogen des Massenprotests immer höher. Die SPD holte den Reichstagspräsidenten Paul Löbe als Redner in das Oybiner Waldtheater, um die aufgeregte Masse zu beschwichtigen. Vergeblich. In Zittau und Umgebung demonstrierten die Menschen für die Errichtung einer Arbeiter- und Bauernregierung und gegen das Fortschreiten der ständigen Teuerung.
Im Zuge dieser Hungerproteste wurde auch massiv von der Stadtverwaltung die Schließung so genannter "Schlemmerlokale" verlangt. Bürgermeister Zwingenberger lehnte ab und rief statt dessen die Polizei. Diese löste die Kundgebung gewaltsam auf. Am Spätnachmittag versammelten sich wieder Tausende auf dem Zittauer Marktplatz. SPD, KPD und Gewerkschaften schickten Redner. Inzwischen war das Rathaus von der berüchtigten Landessicherheitspolizei abgeriegelt. Der Knüppel wurde flott geschwungen. Steine flogen in Richtung Rathausfenster. Daraufhin eröffnete die Polizei gezielt das Feuer auf die Demonstranten. Zwei von ihnen, der Schuhmacher Martin Wagner und die Verkäuferin Gertrud Volkert, beide erst 20 Jahre alt, sanken tödlich getroffen zu Boden. 17 Demonstranten wurden zum Teil schwer verletzt. Die zusätzlich gerufene Reichswehr marschierte ein. Mit brutaler Waffengewalt wurden die Demonstrationen beendet. In einem so genannten Landfriedensprozess, wurden 17 Beteiligte Protestierer zu teilweise mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt.
Am Mittag des 9. Novembers 1923 geschieht im Nachbarland Bayern folgendes: Hinter zwei Fahnenträgern marschieren Hitlers Anhänger im Achterreihen durch die Münchner Innenstadt, wobei die bewaffnete SA unter Hermann Görings Führung eine erste Polizeisperrkette an der Ludwigskirche beiseite schiebt. Am Odeonsplatz stößt der Zug auf einen zweiten Absperrriegel. Einer der Mitmarschierer ruft noch: "Nicht schießen! Exzellenz Ludendorff und Hitler kommen". Schon kracht ein Gewehrschuss und dann liefern sich Hitler-Putschisten und Polizei ein kurzes aber heftiges Feuergefecht das 17 Tote fordert: 14 Anhänger Hitlers und drei Polizisten. Hitler wird von seinem getroffenen Nebenmann Scheubner-Richter zu Boden gerissen und renkt sich den Arm aus. General Ludendorff marschierte derweil aufrecht durch das Sperrfeuer. Etwas später, als Hitler und die Sympathisanten schon in alle Winde flüchteten, sich andere wie Ludendorff und Röhm ergaben, fordert der Aufmarsch noch zwei Opfer unter den Nationalsozialisten. Der später bekannte Professor Sauerbruch versorgt die Schwerverwundeten in der Münchner chirurgischen Klinik.
Der gescheiterte Hitler landet in Festungshaft
Der zweite Rechtsputsch in der Weimarer Republik ist gescheitert, zuerst Kapp, nun auch Hitler. Der gescheiterte Hitler konnte nach seiner Flucht noch zwei Tage die Freiheit im Haus seiner Freunde in Uffing am Staffelsee genießen. Dann wird auch er verhaftet und auf die Festung Landsberg gebracht. Im anschließendem Hochverratsprozess gab es äußerst milde Urteile: Hitler erhielt die Mindeststrafe von fünf Jahren unter Anrechnung der Untersuchungshaft und mit Aussicht auf vorzeitigen Gnadenentlass. Der Münchner Mini-Staatstreich war beendet. Am 20. Dezember 1924 wurde Hitler aus der Festung Landsberg entlassen.
'Haft' in Landsberg: Geräumiges Zimmer, 'Sekretär' Emil Maurice (hi)
In der Amthauptmannschaft Zittau, wohnten zu dieser Zeit, auf einer Fläche von rund 425 Quadratkilometer etwa 127.000 Menschen, von denen sich kaum einer für die Nazis so richtig interessieren mochte. Mit einer Bevölkerungsdichte von 330 Personen je Quadratkilometer gehört die Region zu den am dichtesten besiedelten Industriegebieten Sachsens. Die Stadt Zittau war mit 33.353 Einwohnern die achtgrößte Stadt im Freistaat Sachsen.
Fast ein Drittel der Bevölkerung war in der Textilindustrie tätig. Zu den bedeutenden Industriezweigen gehörten noch die Bauindustrie (7%) und der Maschinen- und Fahrzeugbau (4%). Insgesamt waren 60 % der Bevölkerung in der Industrie, 11 % in der Landwirtschaft, und 13 % im Handel und Verkehr tätig. Die Jahre zwischen 1924 und 1929, nach der Inflation und vor der Weltwirtschaftskrise, waren die wohl besseren Jahre der Weimarer Republik und die schlechten Adolf Hitlers. Während es mit der Weimarer Republik vorwärts ging, saßen die Nationalsozialisten mürrisch und unzufrieden im Abseits. Sie brauchten die Krise als Argument und die Krise schien sich immer weiter zu entfernen.
22 Aktiengesellschaften mit einem Stammkapital von mehr als 23 Millionen Mark hatten in der Amthauptmannschaft Zittau ihren Stammsitz. 10 Aktiengesellschaften aus der Textilbranche hielten allein 66 % des gesamten Stammkapitals, 14 % kamen auf den Maschinen- und Fahrzeugbau mit 3 Aktiengesellschaften. Ausgenommen ist bei dieser Bewertung die staatliche AG "Sächsische Werke Braunkohlen und Kraftwerke Hirschfelde". Die Wirtschaftskrise, die 1928 auch in Zittau erkennbar wurde, erhielt im Oktober 1929 ihren bis heute weltweit in Erinnerung gebliebenen Börsenakzent: Der 21. Oktober 1929 ist als "Schwarzer Freitag" in die Geschichte eingegangen. An diesem Tag kam es zum Kursturz an der New Yorker Börse. Die schon lange schwelende Weltwirtschaftskrise war nicht mehr einzudämmen. Jetzt kam die Stunde der Rechtsradikalen. Vom Mittelstand, der in der Krise am meisten verlor, bekamen die Nationalsozialisten gewaltigen Zulauf. Die Mitgliederzahlen der NSDAP stieg und stieg - 1925: 27.000, 1926: 49.000, 1927: 72.000, 1928: 108.000 - so errangen die Nationalsozialisten, bei den Wahlen vom Mai 1928, den neunten Platz (2,8 % der Stimme) und zogen mit 12 Abgeordneten in den Reichstag ein. Die Wahlen in den Jahren 1929 und 1930 zeigten, dass es den Nationalsozialisten allmählich gelang, Fuß zu fassen. Am 14.09.1930 zog die NSDAP mit 107 von 577 Mandaten als zweitstärkste Fraktion in den Deutschen Reichstag.
Nazi-Aufmarsch in Zittau wird zur Pleite
In Zittau und anderen Orten der Region gelang es den Nazis, die Mittelschicht immer mehr für die NSDAP zu begeistern. Mit Unterstützung der Polizei fühlten sie sich stark genug ihren gewachsenen Einfluss vor der Zittauer Bürgerschaft mit einem militärischen Aufmarsch zu demonstrieren. Damit sollten die Gegner eingeschüchtert werden. Dieser Aufmarsch wurde von der Nazipartei mit großem propagandistischem Aufwand bekannt gemacht. NS-Reichstagsabgeordneter Professor Helbig - Lehrer am Zittauer Realgymnasium - sollte am 13. Februar 1931 vom Bahnhof abgeholt und mit "klingendem Spiel" durch die Stadt zu den "Kronensälen" gebracht werden, wo eine Propagandaveranstaltung angesagt war. Doch Kommunisten und Sozialisten ließen diese Veranstaltung platzen - der Nazi-Umzug wurde trotz starkem Polizeischutz zu einem regelrechten Reinfall: Hunderte als Faschingsfiguren verkleidete KPD´ler und Sozialdemokraten mischten sich mit Lärm und Tanz in den Nazi-Aufmarsch und machten so einen Faschingsumzug daraus.
Die Nazis waren stinksauer und schworen Rache. 10 Tage später sagten sie einen großen Fackelzug an, jedoch mit Verstärkung aus Löbau und Umgebung. Schon vor dem Beginn kam es zur Randale, erst mit einer Stunde Verspätung konnte der Marsch beginnen. Es flogen Flaschen und Eisbrocken auf Nazis und Polizei, die wild auf die Gegen-Demonstranten einschlugen. Während nun Überfallkommandos aus der Neustadt ausschwärmten, um den Platz zu räumen, schossen die SA-Schläger zwei Arbeiter nieder. Emil Kalbaß, ein 29jähriger Schlosser, war sofort tot, der Arbeiter Albrecht Voigt wurde schwer verletzt.
Der parteilose Emil Kalbaß wurde damit das erste Opfer der Nazis in Zittau. Auch das Stadtparlament musste sich mit dem SA-Mord beschäftigen. Die Öffentlichkeit war äußerst erregt. Da jedoch der Polizeiapparat die Nazis begünstigten, verlief die Suche nach den Schuldigen im Sande.
Die SA, Sturmabteilung der NSDAP, war inzwischen zu einer "unheimlichen" Macht geworden. Selbst Reichspräsident Hindenburg wagte sich nicht an die SA-Schlägertruppen heran. Er weigerte sich sogar, eine Aktion zur Unterdrückung der Nazipartei und ihrer Schlägerbande anzuordnen, "wenn nicht gleichzeitig gegen die andere revolutionäre Partei, die Kommunisten vorgegangen werden könne". Denn, so fürchtete die Reichswehrführung, innere Unruhen dieses Ausmaßes könnten dazu führen, außenpolitische Verwicklungen geradezu heraufzubeschwören. Möglicherweise könnte die Klage, die Frankreich wegen Nichtbezahlung der Reparationen gegen Deutschland vor dem Haager Schiedsgerichtshof angestrengt hatte, zum Erfolg führen; und was dann, wenn völkerrechtlich sanktionert polnische Truppen in Ostpreußen und tschechische Soldaten in Bayern einmarschierten? Schon aus diesen Gründen sei jeder innenpolitische Kampf strikt zu vermeiden. Daher also die zögerliche Zurückhaltung der Weimarer Regierung. Material für ein Vorgehen gegen die Nazis lag in Hülle und Fülle vor.
Hatte man nicht Ende 1931 ein haarsträubendes Dokument aufgespürt, das - als Ergebnis längerer Konspirationen - das Vorgehen der Nazis bei der gewaltsamen Machtergreifung bereits in alle Einzelheiten festlegte.
Politischer Kampf gegen die Nazis
Das "Boxheimer Dokument", ausgearbeitet von Dr. Werner Best, Rechtsberater bei der Gauleitung Hessen, ging davon aus, dass die Republik von den Kommunisten angefallen würde. In diesen Augenblick wollte man mit der vielsagenden Proklamation losschlagen. Im Entwurf hieß es, die seitherigen Träger der Staatsgewalt seien durch die Ereignisse der letzten Woche wegfallen. Durch diese Veränderung sei ein neuer Rechtszustand geschaffen. Die ordnende Macht stehe allein bei der SA und den Landwehren. Die Befehlshaber hätten gemäß des Entwurfes folgende Befehle an die gesamte Bevölkerung des Landes bekannt gegeben:
1. Jeder Anordnung ist sofort Folge zu leisten. Widerstand wird grundsätzlich mit dem Tode bestraft.
2. Jede Schusswaffe ist abzuliefern. Wer nach Ablauf der Frist im Besitz einer Schusswaffe angetroffen wird, wird als Feind der SA, Landwehr u.ä. und des deutschen Volkes ohne Verfahren auf der Stelle erschossen.
3. Widerstand und Sabotage (im öffentlichen Dienst) wird mit dem Tode bestraft.
Am 13. April 1932 stach General Groener, Reichswehr- und Innenminister in das Wespennest SA: Hindenburg unterschrieb endlich eine Notverordnung.
"Aufgrund des Artikels §48 Abs. 2 der Reichsverfassung wird folgendes verordnet:
§1 Sämtliche militärähnliche Organisationen der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, insbesondere die Sturmabteilung (SA), die Schutzstaffel (SS) , mit allen dazugehörigen Stäben und sonstigen Einrichtungen, einschließlich der SA-Beobachter, SA-Reserven, Motorstürme, Marinestürme, Reiterstürme, der Nationalsozialistischen Fliegerkorps und Sanitärkorps werden mit sofortiger Wirkung für das Reichsgebiet aufgelöst…"
Die Presse der "nationalen Rechte" heult auf und bewarf den Innenminister mit Dreck. Im Reichspräsidentpalais läuteten sie Sturm: Hindenburgs Freunde, Deutschnationale, Konservative und Vaterländische Verbände. Selbst der ehemalige deutsche Kronprinz Wilhelm, Sohn des abgesetzten Kaisers Wilhelm II., protestierte öffentlich: "Ich kann diesen Erlass nur als schweren Fehler ansehen. Es ist mir auch unverständlich, wie gerade sie als Reichswehrminister das wunderbare Menschenmaterial, das in der SA und SS vereinigt ist und das dort eine wertvolle Erziehung genießt, zerschlagen helfen, wo doch die außenpolitischen Zustände...uns jeden Augenblick zu einem Konflikt mit Polen führen können.."
Reichswehrminister Groener gab dem Kronprinzen zwar noch contra, fiel aber gleichzeitig beim Reichspräsidenten in Ungnade. Es war Wahlkampf und Hindenburg wollte unter allen Umständen wieder gewählt werden. Die politische Intrige beherrscht jetzt jede Art von Vernunft. Ein bekanntes geflügeltes Wort machte die Runde: On pent tout faire aves des bayonettes sauf s´asseoir dessus. (Man kann mit Bajonettes alles machen nur drauf setzen darf man sich nicht). Der Reichstag wurde wieder aufgelöst und das neue Kabinett hob das SA-Verbot auf. Zugleich fiel das alte Uniformverbot der Regierung Brüning vom 8. Dezember 1931.
Der Nazi-Terror ist nicht zu stoppen
Die Folgen waren entsprechend: Wieder ging das Theater los, schlimmer als zuvor. Schlägereien, Festnahmen - Passanten, die den Hitler-Gruß nicht erwiderten wurden zusammengeschlagen - Schießereien. Allein in den Monaten Juli und August 1932 kamen über 300 Menschen durch politischen Terror ums Leben, über 1.200 Verletzte, wurden gezählt. Die Nazis wurden immer frecher und brutaler. Als Göring am 10. Juli und Hitler am 23. Juli 1932 in Zittau auftraten, ging es dort ebenfalls hoch her.
Aber auch die Kommunisten konnten trotz des SA-Terrors weiter zulegen. In den Orten Oberseifersdorf, Hartau, Olbersdorf, Bertsdorf und Oberullersdorf wurde die KPD zur stärksten Partei, obwohl die Nazipartei immer mehr auf dem Vormarsch war. Bei den anschließenden sächsischen Gemeinderatswahlen am 13. November 1932 sah das Ergebnis wieder anders aus. In der Stadt Zittau, wo nur 60 % der Wähler zur Urne gingen, sanken die Stimmen für die KPD gegenüber der Reichstagswahl vom 6. November von 3471 auf 2791, die der SPD von 4483 auf 3185 und die der Nazis von 7072 auf 4712.
In Zittau zogen fünf Kommunisten ins Stadtparlament: Martin Wehnert, Max Richter, Brimo Schröder, Lina Weber und Martin Langfeld. In der Region errang die KPD in 21 der 53 Orte die größte Stimmenzahl und überflügelte damit erstmal die SPD. In Olbersdorf, Oberseifersdorf, Friedrichsdorf und Niederoderwitz wurde die KPD-Fraktionen so stark, dass sie die Präsidien der Gemeindeparlamente besetzten. Die Kommunisten hatten in der Oberlausitz stets ein ausgeprägtes Betätigungsfeld, besonders auch durch die Mobilisierung der Arbeitslosen im mittlerweile vierten Krisenwinter. Am 17. Dezember 1932 fand in Zittau ein Hungermarsch statt, der erneut die Polizeigewalt herausforderte. Die aufgebrachten Arbeitslosen stürmten schließlich ein großes Lebensmittelgeschäft, das einem stadtbekannten Nazi gehörte und teilten Brot, Butter und andere Waren untereinander auf. Auch in den Landgemeinden ging man auf "organisierte Hamstertouren". So holte man sich in Hirschfelde, Olbersdorf und Hartau aus Halden und stillgelegte Gruben Braunkohle und bei Friedersdorf wurden die zum Rittergut des Grafen von Einsiedlern gehörenden Kartoffelmieten ausgeräumt.
Hitler wartete zu der Zeit in seiner Parteizentrale, dem "Braunen Haus" in München, in der Gewissheit, den Wind im Rücken zu haben. Denn bei den Reichtagswahlen im Juli 1932 schnitt die NSDAP mit 37,8 % ab. Sie wurde mit 230 von 608 Mandaten stärkste Fraktion. Hitler jedoch scheiterte bei der Wahl zum Reichspräsidenten - zu dieser Wahl stellten sich im zweiten, nötig gewordenen Wahlgang nur noch Hindenburg, Hitler und Thälmann. Die beiden anderen Kandidaten, Düsterberg und der obskure Betriebsanwalt Winter, der während des Wahlkampfs im Zuchthaus Bautzen, eine Strafe verbüßt, zogen ihre Kandidatur zurück. 10,2% für Thälmann und 53% für Hindenburg. Hindenburg hatte 6 Millionen Stimmen mehr als Hitler.
Hitler wird Reichskanzler
Bei den Reichstagswahlen im November 1932 musste Hitler noch einen Denkzettel wegstecken: Er verlor 34 Mandaten im Reichstag. Doch das machte nichts mehr aus, ein kleineres Auf und Ab in der Wählergunst. Die ehemaligen Reichskanzler Papen (nur sechs Monate im Amt) und Schleicher (sogar nur zwei Monate im Amt) waren schon keine Gegner mehr für Hitler. Am 30. Januar 1933 berief Hindenburg Adolf Hitler nach vielen Intrigen aufgrund der Reichstagsmehrheit der Nazis zum Reichskanzler. Ahnungsvoll schrieb in Berlin die große liberale-demokratische Vossische Zeitung am nächsten Tag: "Mit dem Widerspruch der Tatsachen kann man durch Gewalt nicht fertig werden, aber den Widerspruch im Volke kann man mit Gewalt zum Schweigen bringen. Die Armut kann man nicht abschaffen, aber die Freiheit kann man abschaffen. Die Not lässt sich nicht verbieten, aber die Presse lässt sich verbieten. Der Hunger lässt sich nicht ausweisen, aber die Juden kann man ausweisen. Noch schützt vor den ärgsten Missbrauch die Verfassung. Aber die Bande sind hauchdünn geworden."
Reichstagswahl 1925: Wahlkampf für Ernst Thälmann
Zwei Tage vor der ersten Reichstagswahl unter dem Reichskanzler Adolf Hitler am 3. März 1933, begann Ernst Thälmanns Leidensweg durch verschiedene Zuchthäuser und Konzentrationslager. Im Sommer 1944 wurde er - wahrscheinlich auf persönlichen Befehl Hitlers - im KZ-Buchenwald auf dem Ettersberg ermordet.