Zum Thema: Arnd Voigt
Wie wenig wir mit der nationalsozialistischen Geschichte im Reinen sind, wird nahezu täglich aufs neue deutlich. Immer noch fallen lange Schatten dieser Epoche auf unser Dasein. Heimat ist für uns nah und vertraut. Fern jedoch scheint die große Geschichte des Dritten Reiches. Sie spielt sich in Geschichtsbüchern meist in Städten wie München, Berlin, Stalingrad oder Dresden ab.

Eine publizistisch genaue Aufarbeitung der Geschichte der Oberlausitz in der Zeit des Nationalsozialismus ist seit langem ein oft geäußerter Wunsch vieler Mitbürger. Unsere junge Generation fordert zu Recht ein ebenso klares wie historisch verlässliches Bild von den Verhältnissen unserer Region im Dritten Reich. Was damals geschah war lange aus ideologischen Gründen verschüttet geblieben: Wie sah der nationalsozialistische Alltag aus, wie etablierte sich das Nazi-Regime und wie behauptete es sich. Wer waren seine örtlichen Drahtzieher, wer leistete Widerstand und wer zählte zu den Opfern der NS-Täter.

Staatsmänner oder solche, die es gerne gewesen wären, lassen Strassen und Institutionen in ihrer jeweiligen Epoche so benennen, wie es ihren Interessen entspricht. Deutsche Geschichte war und ist Bestandteil der europäischen und sogar der Weltgeschichte. Es gab glanzvolle Höhepunkte und dramatische Tiefen. Und gerade dass aus der dunklen Zeit von 1933-45 weiter Gedanken und Nachahmer lautstark agieren, ist erschreckend. Und das nicht nur in Deutschland. Aus dem Dunkel des Nationalsozialismus können wir in unserem Geschichtsbewusstsein nur dann heraustreten, wenn wir seinen Hass, seine Anmaßung und seine Intoleranz, die sich gegen jeden Andersdenkenden richtete, überschreiten.

Die Internet-Initiative "Mahnung gegen Rechts" ist auf Veranlassung des Bündnisses für Demokratie und Toleranz in unserer Stadt tätig geworden, um die NS-Geschichte transparent zu machen. Die stummen Zeugen der faschistischen Vergangenheit müssen in unserer Gegenwart endlich gehört und gesehen werden: Wo gab es Arbeitslager, KZs, Haft und Folter für Kommunisten und Sozialdemokraten? Fragen, die beantwortet werden sollen, damit auch die Zittauer Jugend differenzierter und informierter mir unserer Heimatgeschichte von 1933-45 umgehen kann und so dem braunen Spuk von damals auch heute ablehnend gegenübersteht.

Arnd Voigt
Oberbürgermeister
Große Kreisstadt Zittau
Arnd Voigt, OB Zittau