Strukturen der Vollstrecker


Um das Herrschaftssystem Hitlers nach innen und außen abzusichern entstanden unter der Nationalsozialistische Partei Deutschland (NSDAP) gleich zu Anfang eigene militärische Organisationen: Die Sturmabteilung (SA) und die Schutzstaffel (SS) als künftige Organe für Verfolgung, Unterdrückung und Völkermord.

"Der Fanatismus ist nämlich die einzige Willensstärke, zu der auch die Schwachen und Unsicheren gebracht werden können".
Friedrich Nietzsche

Die SA (Sturmabteilung) war eine Gliederung der NSDAP, sie bildet mit der SS und dem NSKK (Nationalsozialistisches Kraftfahrer-Korps) die politische Kampftruppe der Partei. Durch weltanschauliche Schulung und wehrsportliche Ausbildung wurde der SA-Mann zum politischen Soldaten erzogen.

Die Zugehörigkeit zur SA war freiwillig. Sie trat am 1. November 1921 bei einer Hitler-Versammlung im Münchner Hofbräuhaus zum ersten Mal als Saalschutz auf. Sie übernahm in der "Kampfzeit" den Versammlungsschutz und den Hauptteil der Propaganda. Durch ihre brutalen Aktionen und Überfälle verlor sie über 300 Mann, darunter der von einem Zuhälter erschossene Horst Wessel.

Sein Lied "Die Fahnen hoch" wurde zur "Hymne der neuen Volksgemeinschaft". 1936 wurde der SA die Durchführung der NS-Kampfspiele übertragen. Durch Erlass Adolf Hitlers vom 19. Januar 1939 wurde die SA zur Trägerin der vor- und nachmilitärischen Wehrerziehung bestimmt. Hierfür wurden die Wehrmannschaften innerhalb der SA gebildet.

Oberster SA-Führer war Adolf Hitler, Chef des Stabes der SA wurde nach der Ermordung Röhms Lutze. Die Oberste SA-Führung gliedert sich in folgende Ämter und Abteilungen: Führungs-, Personal-, Gerichts- und Rechts-, Sanitäts-, Verwaltungsamt, Zentral- und Ausbildungsabteilung, Reichsführerschule.

Die Einheiten der SA waren (im Aufbau von unten nach oben) die Schar, der Trupp, der Sturm, der Sturmbann, die Standarte, die Brigade und die Truppe. Die Standarten trugen meist die Nummern der alten kaiserlichen Regimenter ihres Standortes. Jede der 21 Gruppen umschließt aktive Jahrgänge (bis zum 35. Lebensjahr) und Reserve-Einheiten (ab dem 35. Lebensjahr). Es gab besondere Marine-, Pionier-, Nachrichten und Sanitäts-Einheiten der SA und ein SA-Reiterkorps.

Die SA-Standarte "Feldherrnhalle" galt seit 1938 als aktive Truppe, in der der Wehrpflicht genügt werden konnte. Die Einheiten derselben Gruppe trugen Kragenspiegel, Mützenköpfe und Umrandungsschnüre (an Kragen, Spiegel, Mütze) von gleicher Farbe.



Der Dienstanzug ist an bestimmten Abzeichen, die Länge der Zugehörigkeit zur SA vor 1933 an Zahl und Breite der silbernen Armstreifen erkennbar. Kleiner Dienstanzug: Dienstmütze, Stiefelhose, Dienstrock, Braunhemd mit braunem Binder, Armbinde, Stiefel, Koppel mit Schulterriemen, Dolch mit Feststellriemen; die Tuchfarbe ist olivbraun, das Lederzeug braun. Die eigene Wochenzeitschrift heißt "Der SA-Mann".



Die SS (Schutzstaffel) wurde 1925 aus der SA ausgesondert, als eine festgefügte, weltanschaulich verschworene Kampftruppe. Ihre wichtigste Aufgabe wurde der persönliche Schutz des Führers, wozu nach der nationalistischen Revolution die Sicherung des Reiches im Innern hinzukam.

Der Reichsführer SS, Reichsleiter Himmler, der seit 1929 an der Spitze der SS stand, war daher seit 1936 auch zugleich Chef der deutschen Polizei. Die Auswahl der SS-Männer erfolgt aufgrund strenger rassistischer Auslese. Zur SS gehörten: die Allgemeine SS, die in 18 Oberabschnitte gegliedert war (diese wieder in Abschnitte, Standarten, Sturmbanner, Stürme), die SS-Verfügungstruppe, zu der die Leibstandarte "Adolf Hitler" (Kommandeur Obergruppenführer Sepp Dietrich), die Standarten "Deutschland" und "Germania" sowie eine ostmärkische Standarte "Der Führer" gehören, und die berüchtigten SS-Totenkopfverbände.

In der SS-Verfügungstruppe wurde jeder von der Wehrpflicht entbunden. Seit Beginn des Krieges 1939 waren die bewaffneten Verbände der SS unter dem Begriff der Waffen-SS zusammengefasst worden. Der Sicherheitsdienst der SS, der seit 1939 das Sicherheitshauptamt bildete, war die politische Überwachungs- und Nachrichtenstelle für Partei und Staat. Die wissenschaftliche Forschungsstätten der SS wurden in der Lehr- und Forschungsgemeinschaft "Das Ahnenerbe" zusammengefasst. Seit Oktober 1939 unterlag der SS auch die Umsiedlung der sogenannten "Volksdeutschen" und die Fürsorge für die Neubildung deutschen Bauerntums. Der Reichsführer SS zugleich "Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums".

Die Organisation der "Fördernden Mitglieder der SS" unterstützte die SS durch Beitragszahlungen. Die Zeitung der SS war "Das Schwarze Korps". Dienstanzug der Allgemeinen SS: Stiefelhose, Dienstrock mit mattsilbernen Knöpfen, Tellermütze mit Totenkopf, Marschstiefel, Koppel mit Schulterriemen in Schwarz, Braunhemd mit schwarzer Umrandung, Dienstdolch.

Mitte der zwanziger Jahre war Hitlers gefürchtete "SS" noch ein kleiner Haufen von 200 Mann Stärke. Aber er wusste, dass er besonderen Schutzes bedurfte: nicht nur um politische Gegner auszuschalten, sondern auch, um sich vor eigenen Parteigängern zu schützen. Hitler brauchte eine treu ergebene, auf ihn eingeschworene Truppe.



Als Hitler am 6. Januar 1929 Heinrich Himmler zum Reichsführer "SS" ernannte, war die Schutzstaffel noch ein Teil der gesamten SA. Röhms Sturmabteilung war mittlerweile zur Parteiarmee aufgestiegen. SA-Chef Röhm verspottete Himmler in dieser Zeit oft als subalternen "Anhimmler" Hitlers. Anders als die SA, die stets auf Masse setzte, sah sich die SS Himmlers von Anfang an als Elitetruppe. Mit ihren schwarzen Totenkopfmützen und den schwarzumrandeten, feuerroten Hakenkreuz-Armbinden gaben sie sich selbstbewusst die Aura einer Nibelungenschar: "Wenn alle untreu werden, so bleiben wir doch treu".



Als sichtbares Zeichen der bedingungslosen Unterordnung auf den Führer waren ihre Koppelschlösser mit der Gravur: "SS-Mann, deine Ehre ist Treue" versehen. Welche Rolle der SS in der Auseinandersetzung mit den Gegnern des Nationalsozialismus zugedacht war, sollte sich schnell zeigen. Die Ausschaltung jeden Widerstands gegen Hitler war Himmlers Ziel.

Heinrich Himmler, zuvor Geflügelzüchter, machte nach 1933 eine steile Karriere und wurde als Vollstrecker des Rassenwahns der "erste" Katasterbeamte des Grauens. In seiner Neujahrsbotschaft 1934 gab er öffentlich zu: "Eine der dringendsten Aufgaben, die wir vor uns haben, ist die, alle offenen und verborgenen Feinde des Führers und der nationalsozialistischen Bewegung ausfindig zu machen, sie zu bekämpfen und zu vernichten". Seit der Machtübernahme Hitlers hat sich die SA zur zweiten Säule des NS-Staates entwickelt. Sie wuchs auf 3,5 Millionen Mann.

Ihr Führer, Hitlers Stabschef Ernst Röhm, will aber noch mehr. Er fordert die Zusammenlegung der "Braunhemden" mit der Reichswehr. Der mittlerweile zum Reichskanzler gewählte Hitler war jetzt nicht mehr auf die einst bewährten SA-Schlägertrupps als Straßenkämpfer angewiesen. Sie waren seinem Ansehen als Führer, der für Ruhe und Ordnung sorgen wollte, abträglich.

Bei den konservativen Kräften in Wirtschaft und Politik und hauptsächlich Militär herrschte Misstrauen und Furcht vor einer aufblühenden "proletarischen SA-Volksarmee". Neben Göring, der seine eigene Macht als militärischer Führer bedroht sah, war auch Himmler erklärter Feind Röhms.

Denn seine SS war formal der SA unterstellt, gezwungenermaßen ein Teil des undisziplinierten braunen Pöbels. Der SA mussten die Flügel gestutzt werden und Röhm von der Bildfläche verschwinden, so Himmler und Göring.

Die sogenannte "Nacht der langen Messer" wurde geplant. Im Hintergrund zog SS Heydrich die Fäden und fälschte Unterlagen, die einen SA-Putsch beweisen sollten. Am 28. Juni 1934 überbringt Himmler Hitler persönlich die Nachricht vom geplanten Umsturzversuch durch Röhm. Himmlers "verlogene" Botschaft: "Macht und Leben des Führers sind durch eine großangelegte Verschwörung der SA in Gefahr".

Todeslisten wurden zusammengestellt, auf denen auch Personen standen, die mit der SA und dem fiktiven Umsturz nicht zu tun hatten. Die Gelegenheit, viele Gegner mit auszuschalten, war zu verlockend. Mit dieser Mordaktion ging der Todesstern der SS endgültig auf! SA-Chef Röhm wird Theodor Eicke, KZ Kommandant von Dachau, als Mörder auf die Spur gesetzt.



Die "NS-Bartolomäusnacht" nahm ihren Lauf: Das Morden begann ohne Zeitverzug. Zu den Getöteten zählten: Röhm, Heines und viele hohe Führer der SA, General Schleicher und seine Frau, Klausner und viele Mitarbeiter Papens. Kahr, der 1923 den Hitlerputsch in München vereiteln half, Pater Stempfle, der 1924 Hitlers "Mein Kampf" in lesbares Deutsch umgeschrieben hatte, der Münchner Musikkritiker Dr. Schmidt - man verwechselte ihn mit einem anderen D. Schmidt und entschuldigte sich später wegen des Versehens bei der Witwe, – der Verleger Huber mit seinem Anwalt - er hatte gegen Hitlers Verleger Eher prozessiert, – der Gastwirt Karl Zehnter vom Münchner "Bratwurstglöckle" samt Oberkellner und Kellermeister - ein Privatwunsch Goebbels, und noch viele, mit dem die neue NS-Riege eine private Rechnung zu begleichen hatte.

Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß lieferte die Rechtfertigung: "Da es um Sein oder Nichtsein des deutschen Volkes gehe, dürfe die Größe der Schuld des Einzelnen nicht gerichtet werden".

"Der Führer schützt das Recht" titelte Goebbels in der kontrollierten Presse und gab die herrschende Meinung wider: "Endlich hat es ein Ende mit dem Straßenterror". Ob er hier ahnte was die SA und SS vier Jahre später in der sogenannten "Reichskristallnacht" vollführen würde?