Zum Thema: Dr. Wolfgang Schuster
Die Zeit des Nationalsozialismus hatte in Deutschland und in vielen anderen Ländern tiefe Spuren hinterlassen. Auch in Stuttgart waren die Folgen von zwölf Jahren Diktatur unübersehbar. Große Teile der Stadt glichen einem Trümmerfeld, fast 20.000 Einwohner hatten im Krieg und bei Bombenangriffen ihr Leben verloren, viele tausend waren deportiert, inhaftiert, umgebracht worden ober hatten den Weg ins Exil gesucht.

Während die äußeren Zerstörungen schon recht bald behoben werden konnten und der Wiederaufbau im Wesentlichen bereits Anfang der 60er Jahre abgeschlossen war, wirkten diese Ereignisse in der Gesellschaft viel länger nach, und die Frage, wie es soweit kommen konnte, beschäftigt uns noch heute.

Leider gab es hier immer auch Menschen, die die begangenen Verbrechen leugneten und die nicht sehen wollten, was damals an Leid zugefügt wurde und an Unrecht geschah, in den letzten Jahren fanden solche Geschichtsverfälschungen, die uns weismachen wollen, dass ja alles gar nicht so schlimm war, auch unter Jugendlichen vermehrt Anhänger. Ich sehe hierin eine äusserst bedenkliche Entwicklung, der wir nicht gleichgültig gegenüberstehen dürfen. Wir sollten dies vielmehr als Ansporn dafür nehmen, noch mehr als bisher Aufklärung über dieses Kapitel deutscher Geschichte zu betreiben. Ich begrüße und unterstütze deshalb alle demokratischen Aktionen, die - wie die Initiative "Mahnung gegen Rechts" - in diesem Sinne tätig werden.

In Stuttgart hat der Stadtjugendring im Jahre 1980 mit seinen alternativen Stadtrundfahrten begonnen. Bei diesen Rundfahrten werden Orte, die im Zusammenhang mit nationalsozialistischer Herrschaft stehen, aufgesucht und es kommen Zeitzeugen, die Widerstand gegen diese Herrschaft geleistet haben, zu Wort. Diese Form der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit macht Geschichte "begreifbar" und konfrontiert mit dem Schicksal derer, die sich - leider vergeblich - gegen den Strom stellten.

Hierüber haben Schülerinnen und Schüler des Geschwister-Scholl-Gynasiums im letzten Jahr eine Broschüre erarbeitet, und ich freue mich sehr darüber, dass diese Dokumentation nun auch im Internet veröffentlicht wird. Ich hoffe, dass sie viele Leserinnen und Leser findet und damit ihren Teil dazu beiträgt. "Licht auf dunkle Zeit" zu werfen.

Dr. Wolfgang Schuster
Oberbürgermeister Stuttgart



Stuttgart - OB Wolfgang Schuster