Arbeitslager
In Lauffen gab es fünf Lager für ausländische Zwangsarbeiter-/innen und Kriegsgefangene. In der alten Kelter waren französische Kriegsgefangene im 1. Stock untergebracht, rechts und links des Neckars am Stauwehr russische Kriegsgefangene. In der Mühle Kurz, hinter dem Rathaus waren italienische Kriegsgefangene in Anbauten und Stallungen (Bretterverschlag mit Bett) untergebracht. Sie mussten im Zementwerk arbeiten. Für Zwangsarbeiter aus der Tschechoslowakei, die zusammen mit russischen Kriegsgefangenen beim Neckarkanalbau eingesetzt wurden, bestand noch ein Lager in der Nähe des Zementwerks.

Im Sommer 1941 wurden Slowenen und Polen im Zusammenhang mit der "Germanisierungspolitik" deportiert. Zur Eindeutschung verschleppte Slowenen, Polen und Ungarn, damals auch Frauen, lebten im Vereinshaus des CVJM, dem sogenannten Mischlingslager, das von der Wehrmacht 1940 beschlagnahmt wurde. Alle Lager wurden scharf bewacht, bis auf die zur Eindeutschung Verschleppten. Sie arbeiteten hauptsächlich in der Landwirtschaft. Auch die Franzosen und Italiener waren beim Arbeitseinsatz nicht so streng bewacht. Morgens brachte sie ein Wachmann in die Bahnhofstraße, wo jeder Bauer seine "Gefangenen" zum Arbeitseinsatz selbst abholte.



Etwa zweieinhalb Millionen Zwangsarbeiter - größtenteils slawischer Herkunft - wurden der deutschen Landwirtschaft zugeteilt. Es ging ihnen "besser" als denen, die in Rüstungsbetrieben, Bergbau oder Steinbrüchen arbeiten mussten. Doch die "Bestimmungen über die Behandlung ausländischer Landarbeiter polnischen Volkstums" lassen ungute Vermutungen über ihr Dasein klar werden. Zwar galten diese Bestimmungen nur für Polen, sie stammen vom 6. März 1941, ehe russische Arbeitskräfte eingesetzt wurden, doch dienten sie später auch als Richtlinien im NS-Staat für die Behandlung von Angehörigen anderer Nationalität. "Ein Beschwerderecht steht den Landarbeitern polnischen Volkstums grundsätzlich nicht mehr zu und dürfen solche auch von keiner Dienststelle entgegengenommen werden... Der Besuch von Kirchen...ist streng verboten... Der Besuch von Theatervorstellungen ist... streng untersagt. Der Geschlechtsverkehr mit Frauen und Mädchen ist streng verboten."



Handelt es sich um deutsche Frauen, die mit Fremdarbeitern ein Liebesverhältnis eingingen, so stand - einem Erlass Himmlers vom Jahr 1942 zufolge - die Todesstrafe darauf! Die Benutzung von "Eisenbahnen, Omnibussen oder sonstigen öffentlichen Verkehrsmitteln" war den Zwangsarbeitern in der Landwirtschaft verboten. "Ein eigenmächtiger Arbeitswechsel ist streng verboten. Die Landarbeiter...haben so lange täglich zu arbeiten, wie es vom Arbeitgeber verlangt wird. Eine zeitliche Begrenzung der Arbeitszeit besteht nicht. Das Züchtigungsrecht steht jedem Arbeitgeber für die Landarbeiter zu. Die Landarbeiter sollen nach Möglichkeit aus der Hausgemeinschaft entfernt werden und können in Stallungen usw. untergebracht werden."



Im Juli 1941, kaum einen Monat nach dem Überfall auf die Sowjetunion, bezeichnete Hitler seine Besetzungspläne als "endgültige Regelung". Ein Jahr später, auf der Höhe seiner militärischen Erfolge in Russland, sagte er im kleinen Kreise: "Von den lächerlichen 100 Millionen Slawen werden wir die besten in unserem Sinne ummodeln und die übrigen in ihren Schweineställen lassen. Ende September 1944 schufteten etwa siebeneinhalb Millionen ausländische Zwangsarbeiter für das "Dritte Reich". Nahezu alle waren mit Gewalt zusammengetrieben und in Güterwagen nach Deutschland deportiert worden.

Bei der Massenverschickung von Zwangsarbeitern in das "Reich" wurden Frauen ihren Männern, Kinder ihren Eltern entrissen und auf weit auseinanderliegende Gebiete Deutschlands verteilt. Bei der Zusammentreibung der Opfer bediente man sich in zunehmendem Maße des Terrors. Man ergriff Menschen, wenn sie aus dem Kino oder aus der Kirche kamen. In den westlichen Ostgebieten riegelten SS-Einheiten einfach ein Stadtgebiet ab und nahmen alle arbeitstüchtigen Männer und Frauen mit. Dörfer wurden umstellt und nach Arbeitsfähigen abgesucht. Als es in den östlichen Gebieten zum Widerstand kam, wurden ganze Dörfer niedergebrannt und die Bewohner verschleppt. Hier sank die Entartung der Nationalsozialisten auf einen in der Menschheitsgeschichte selten erreichten Tiefstand. Millionen anständiger und unschuldiger Männer und Frauen, Kinder und Halbwüchsige wurden in die Zwangsarbeit verschickt, andere Millionen in Konzentrationslagern gefoltert und gequält, darunter allein viereinhalb Millionen Juden, kaltblütig ermordet oder bewusst dem Hungertod preisgegeben und ihre sterblichen Überreste - zur Verwischung der Spuren - verbrannt.



Bei dem schweren Bombenangriff auf Lauffen am 13. April starben die französischen Kriegsgefangenen Aisne Mouret und Jean Daumain und Jozef Owczarek, ein katholischer Landarbeiter aus Polen, der in der französischen Armee gedient hatte. Im "Lager" an der Staustufe verstarb der ukrainische Zwangsarbeiter Simon Pukasenko eine halbe Stunde nach dem Angriff und der 18-jährige Landarbeiter Johann Los aus Borislava in der Ukraine an seinen Bombensplitterverletzungen zwölf Tage nach dem Angriff.