Noch versagte die Mehrheit der Wähler in ganz Deutschland der NSDAP ihre breite Unterstützung. Andererseits waren es aber diese Wählerstimmen, die die Nazis von einer Splittergruppe unter Splittergruppen zu einem maßgeblichen Faktor im politischen Spiel, mit der Aussicht auf Regierungspositionen, beförderten. Besondere Propagandamittel und Werbemethoden zeigten immer mehr Wirkung.

Sozialdemokraten wurden als "vollgefressene Bonzen" diskreditiert. Die Presseorgane, je nach politischer Einstellung, zogen es vor, Aktionen von Konkurrenzparteien zu verschweigen. Nachdem sich in vielen Orten Zeugen Jehovas geweigert hatten zu wählen und abzustimmen, wurde vom Oberamt Besigheim auch Lauffens Bürgermeister aufgefordert, Bericht zu erstatten. Man begann alles zu kontrollieren und hatte die Gegner stets im Visier. Einschüchterung war an der Tagesordnung.
Sozialdemokrat Adam Remmele, badischer Minister, hatte bereits 1923 dafür plädiert, Hitler in eine Heil- und Pflegeanstalt zu schicken. Es verwundert daher nicht, dass er für seine politische Meinung mit mehreren Verhaftungen und einem längeren KZ-Aufenthalt büßte.
Am 16. Mai 1933 veranstaltete die SA von Karlsruhe eine widerliche Schau mit dem Innenminister von Baden und anderen SPD-Führern. Vor ihrer Einlieferung in das Konzentrationslager Kieslau wurden sie durch die Straßen von Karlsruhe geschleift und als Volks- und Landesverräter beschimpft. Das politische Leben spielte sich hauptsächlich in Gaststätten ab, wobei manche Gasthäuser aus wirtschaftlichen Gründen ihre Räume den Parteien von links bis äußerst rechts öffneten.
Andere blieben nur den Nationalsozialisten und eventuell noch den Deutschnationalen geöffnet. Mit Flugblättern, Plakaten, Zeitungsanzeigen oder durch Ausruf (Ortsbüttel) warb man um die Wählerstimmen.
Die Parteiredner, überwiegend aus der Region, behandelten je nach politischer Situation: "Schwarz und Rot am Ende. Hitler am Anfang (1930), Bolschewismus über Deutschland, Brüning regiert, Hitler marschiert, Bauern, wo stehen wir (1932), und Adolf Hitler wird unser Reichspräsident. Nur ein Gauner und Schieber komme im heutigen Staat noch zu etwas, das Zentrum sei eine Partei der Spitzbuben und Heuchler", so die NSDAP-Redner.
Die nationalsozialistische Bewegung empfand sich von Anfang an als Partei, die sich in Konkurrenz mit anderen Parteien nicht um ein zeitlich befristetes Regierungsmandat bewarb, sondern als eine Bewegung, die unbegrenzte Macht anstrebte.
Dazu war es erforderlich, die Massen für die Partei zu gewinnen: durch Denunziation der (schlechten) Gegenwart, Glorifizierung der (hellen) Zukunft und Weckung des (siegesbewussten) Gemeinschaftsgefühls.
"Wir leben in einer Judenstadt." Dieser propagandistische Leitsatz, vielfach variiert, gehörte zum eisernen Bestand jeder Gauleiterrede. Auch am Braunen Haus in der Lauffener Stadtmitte, Sitz der Parteizentrale und örtlicher NS-Behörden, prangte ein großes Schild, so dass es jeder sehen musste, mit der Aufschrift: "Die Juden sind unser Unglück." Hier zielte man in Lauffen auf die jüdischen Viehhändler aus dem benachbarten Talheim ab.
Die Tageszeitungen in Württemberg berichteten vom Rücktritt des Kabinetts Kurt von Schleicher. Das regte keinen mehr auf: 20 Regierungen hatten die Deutschen in den letzten 13 Jahren Republik, nach Ende des Kaiserreichs, schon kommen und gehen sehen. Regierungskrise ein Dauerthema. Am 16. Dezember 1932 traf sich ein exklusiver Zirkel im Berliner "Herren-Club". Hindenburgs Sohn Oskar träumte von einem konservativen Ständestaat, dessen Massenbasis die Nazis liefern sollte. Er verlangte, die Lage der Nation erfordere die Beteiligung der Nazis an der Reichsregierung.

Der Bankier und NS-Sympathisant Baron von Schröder fädelte ein Treffen zwischen Hitler und Franz von Papen ein. Papen, tief gekränkt seit seinem eigenen Sturz durch Schleicher, sann auf Rache. Über die Hintertür wollte Papen wieder an die Macht. In einer Kölner Villa schlug die Geburtsstunde des "Dritten Reichs". Man wollte eine Regierung der nationalen Konzentration bilden. Hitler bestand auf der Kanzlerschaft, sicherte jedoch von Papen und seiner Gefolgschaft einflussreiche Posten im Kabinett zu. Am 18. November 1932 und 22. Dezember 1932 traf man sich wieder in der Villa des späteren Außenministers, Joachim von Ribbentrop, im Beisein von Hindenburgs Staatssekretär Otto Meißner und Oskar von Hindenburg, den wichtigsten Ratgebern des alten Reichs-Präsidenten.
Man einigte sich: "Hitler solle in Gottes Namen Kanzler werden", aber eingerahmt von Konservativen. Vize-Kanzler von Papen wollte aus dem Hintergrund die Fäden ziehen. Am 30. Januar 1933 machten sich Hitler, Göring und Frick im offenen Mercedes auf den Weg zur Reichskanzlei.

Hier schwor Hitler den Amtseid auf die Verfassung der Republik. "Ich werde meine ganze Kraft für das Wohl des Deutschen Volkes einsetzen, die Verfassung und die Gesetze des Reiches wahren, die mir obliegenden Pflichten gewissenhaft erfüllen und meine Geschäfte unparteiisch und gegen jedermann führen". Hitlers erste Lüge im öffentlichen Amt. Es sollte nicht die letzte bleiben.