Militärisch lag Lauffen a.N. an der Neckar-Enz-Befestigungslinie, einem Teil des Westwalls. Diese Linie, die auf der Lauffener Gemarkung elf Kampfbunker umfasste, gewann jedoch nie die Bedeutung, die sich die Militärs versprochen hatten.
Trotzdem musste Lauffen in der Zeit vom 22. August 1940 bis zum 23. März 1945 37 Luftangriffe erdulden, die meisten, nämlich 12, im Jahr 1945. Bis 1943 war Ursache für die ungewöhnlich zahlreichen Bombenangriffe die von der Luftwaffe auf dem Großen Feld zwischen Lauffen, Nordheim, Nordhausen und Hausen a. d. Zaber errichtete Scheinanlage "Brasilien".

Die von der Flakabteilung Ludwigsburg durchgeführten Bauarbeiten an dieser Anlage waren im November 1940 abgeschlossen. Die weiteren Arbeiten übernahm das (Scheinanlagen)-Baukommando der Luftwaffe in Böblingen. Es täuschte mit Holzattrappen und Backsteinmauern den Stuttgarter Hauptbahnhof vor. Strohmatten imitierten Straßenzüge. Lichter und das Aufblitzen elektrischer Leitungen erweckten den Eindruck von Weichen und fahrenden Straßenbahnen. Zur Verteidigung der Anlage dienten Flakstellungen und Scheinwerferstände.
Diese Flakanlage wurde nicht nur durch Flaksoldaten bedient. Aufgrund der "Anordnung über den Kriegshilfsdienst der deutschen Jugend in der Luftwaffe" vom 25. Januar 1943 wurden Jugendliche als Flakhelfer dienstverpflichtet. Zudem dienten bei der Flak "hilfswillige russische Kriegsgefangene" (Hiwis), die auch beim Bau von Schutzräumen und Splittergräben und bei der Beseitigung von Bombenschäden halfen. Längere Zeit waren über 30 starke Scheinwerfer und bis zu 50 Flakgeschütze im Einsatz. Mit der großen Anzahl von Flakscheinwerfern und Geschützen wollte man auch die Wichtigkeit der Zielattrappe unterstreichen. Auf die Bahnhofs-Scheinanlage fielen Unmengen von Spreng- und Brandbomben. Zeitweise erschien kilometerlang am Himmel um Lauffen herum alles wie im bengalischen Feuer.
Für die Bewohner der Region ein sensationelles Ereignis. Oft kamen viele Schaulustige nur aus purer Neugier. Damals wie heute erregten die "Gaffer" den Unmut der Betroffenen. In Lauffen regte sich damals jeder darüber auf, hiermit für Stuttgart den "Kopf" hinhalten zu müssen.
Je nach Größe, ihrer Bedeutung für die Rüstung und ihrer Gefährdung waren die deutschen Städte in drei Gefahrenzonen eingeteilt. Lauffen war in die untere Gefahrenzone III eingestuft, erhielt aber wegen der Scheinbahnhofs-Anlage mit dem Tarnnamen "Brasilien" - 1941 gingen dort zum Beispiel 100 Spreng- und 1500 Splitterbomben nieder - den Status "besonders gefährdeter Luftschutzort". Dies hatte einen enormen Ausbau des hoheitlichen Luftschutzes zur Folge: Der Sicherheits- und Hilfsdienst (SHD), der seit 1940 aufgebaut worden war, wurde verstärkt. Er umfasste im Januar 1943 "86 Mann Luftschutztruppen, 90 Mann Schnelleinsatztruppen, 11 Mann Luftschutz-Sanitätsdienst, 36 Mann Luftschutzinstandsetzungstruppen, 7 Mann Gas- und Wassertrupp, 46 Mann Polizei und Polizeiverstärkung und 6 Mann in der Befehlsstelle, zusammen 282 Mann, während die normale Feuerschadensbekämpfung im Frieden 70 Mann beträgt".
Der Luftabwehrdienst erhielt eine elektrische Großwarnanlage. Außerdem trug das Reich die Baukosten für Bunker, Notverbandsplätze und Löschwasservorbehälter. 1941 entstand im Keller des alten Schulhauses ein Notverbandsplatz mit 11 Betten, im Dezember des selben Jahres wurde der Bau von 30 splittersicheren Bunkern und zwei Löschwasserbehältern angeordnet, von denen Anfang Mai 1942 18 Bunker und 1 Löschwasserbehälter fertiggestellt waren. Zum geplanten Bau von 5 Hochbunkern ("Luftschutzhochhäuser") für je 200 Personen kam es allerdings nie; der Beton wurde für Kampfbunker benötigt.

Zu den angeblich splittersicheren Backsteinbunkern ("Starenkästen") hatten die Leute zu Recht kein Vertrauen. Sie setzten lieber auf den Ausbau ihrer Keller. Viel zu spät erfolgte der Ausbau von Luftschutzstollen, die sich angesichts der Topografie von Lauffen von Anfang an her angeboten hätte. Erst am 14. September 1944, also nach dem großen Luftangriff, beschloss der Gemeinderat, den Bierkeller unter den Mauerseugen zum Stollen auszubauen und unter der Regiswindiskirche einen Stollen zu graben. Der Stollen des Zementwerks war damals bereits im Bau. Ende Dezember 1944 war der Stollen unter der Kirche zur Hälfte fertig (Eingang Kiesstraße), der Ausbau des Eiskellerstollens, ehemals für die örtliche Brauerei gebaut, hatte noch nicht begonnen. Im Laufe des Krieges wurden die Bomben immer schwerer und größer, ein gewöhnlicher Hauskeller als Schutzraum reichte bei Volltreffern nicht mehr aus. Später flüchteten über 200 Menschen bei Alarm in den ausgebauten Eiskeller.
Wie in vielen anderen Weinbaugemeinden grub sich auch in Lauffen die Bevölkerung Lehmstollen. Auch zahlreiche andere Maßnahmen dienten dem Luftschutz. Helle Häuser, spiegelnde Flächen, z.B. Gewächshäuser, wurden mit Tarnfarbe gestrichen, Holzbalken erhielten eine angeblich flammsichere Imprägnierung, Fenster und Fahrzeugscheinwerfer wurden verdunkelt, die Speicher wurden entrümpelt, Luftschutzräume, Sandstellen und Notausstiege wurden ebenso markiert wie gefährliche Hindernisse. Man glaubte sich aufgrund dieser Maßnahmen in Lauffen für den Luftkrieg ausreichend gerüstet.