Am Vormittag des 25. Juli 1944, 3 Monate und 12 Tage nach dem schwersten Luftangriff der Amerikaner auf Lauffen, setzte sich der britische Luftmarschall Harris, genannt Bomber-Harris, an seinen alten zerkratzten Schreibtisch. Ein Stabsoffizier legte ihm die ersten Luftaufnahmen vom Großangriff auf Stuttgart vor. Der Chef des Bomberkommandos griff nach seinem Vergrößerungsglas und sondierte die noch feuchten Fotoabzüge. Sein Gesicht blieb unbewegt wie immer. Nur an den fest zusammengekniffenen Lippen war zu erkennen, dass er enttäuscht war. Nach einem kurzen Blick auf die Wetterkarte wandte er sich an seinen Stellvertreter Marschall Saundby: "Heute wieder Stuttgart...", Bomber-Harris will, dass Stuttgarts Straßen ausglühen, ein Feuerorkan wie zuvor in Hamburg und Kassel.

Der letzte Luftangriff auf Lauffen a.N. erfolgte am 23. März 1945 um 17.30 Uhr. 16 Jagdbomber (Jabos) schossen wie wild in die Kies-, Mittlere- und Lange Straße. Kurz vor dem Einmarsch der französischen Armee wird die Hintere Straße durch Beschuss mit Phosphorgranaten förmlich "eingeäschert".
Mittlerweile tobte der Landkrieg in ganz Deutschland, auch zwischen Odenwald und Enzweihingen an der sogenannten Neckar-Enz-Stellung. Diese Sperrstellung wurde in den Jahren 1935-1938 unter strengster Geheimhaltung gebaut. Der Bau erfolgte unter Missachtung des nach dem Ersten Weltkrieg geschlossenen Versailler Vertrags, den Hitler immer wieder ignorierte. Die 3. und 7. US-Armee und die 1. französische Armee erreichte den Rhein zwischen Karlsruhe und Mannheim, ihnen gegenüber stand die deutsche Heeresgruppe G. Als die Franzosen den Rhein bei Speyer, Philippsburg und Leimersheim überquert hatten, gingen die Alliierten gegen Neckar und Enz vor. Die 7. US-Armee kämpfte nach dem Rheinübergang auf der linken Seite, die 1. französische Armee nördlich der Linie von Speyer bis Lauffen am Neckar.
Im Rahmen der alliierten Gesamtplanung sollte die 7. US-Armee so schnell wie möglich nach Bayern und Österreich vorrücken. Aufgabe des 4. US-Corps war es dabei, von Mannheim aus nach Südosten anzugreifen, den Neckar zu überschreiten, um die Rückzugsmöglichkeiten der Deutschen Wehrmacht in die gefürchtete "Alpenfestung" zu verhindern. Und was noch viel wichtiger war: Die Amerikaner waren hinter der neuesten deutschen Luftfahrt- und Waffentechnologie her, deren Produktionsstätten nach Südosten ausgelagert waren, um sie ausserhalb der Reichweite der Bomber zu schaffen. Diese Technologie sollte nach dem erwarteten Sieg keinesfalls der russischen Armee in die Hände fallen. Die Amerikaner brachten 60 schwere Geschütze am Westufer des Neckars in Stellung. Hinzu kamen 57 Panzer (Sherman) 15 Halbkettenfahrzeuge, 5 Spähpanzer und 36 Sturmgeschütze.

Alles in allem zählte die amerikanische Infanteriedivision eine Sollstärke von 14.253 Mann. Ihr gegenüber standen hinter Jagst und Kocher auf deutscher Seite die zerschlagenen Reste von 4 "Divisionen", die einen Abschnitt von Neuenstadt an der Kocher bis Lauffen am Neckar verteidigen mussten. Die 2. und 17. Gebirgsdivision und die SS Panzergrenadierdivision "Götz von Berlichingen" wurden aus dem Raum von Heilbronn abgezogen. Nach dem Stillstand der Amerikaner an der Elbe am 16. April 1945 begann eine verstärkte Südoffensive der Invasionstruppen gegen die sogenannte "Alpenfestung".
Die Kriegsfurie tobte nun mit voller Wucht über die Gemeinden des Landkreises Heilbronn hinweg. Im Landkreis kämpfte die Deutsche Wehrmacht verzweifelt gegen die gut ausgerüsteten Alliierten. Die 559. Volksgrenadierdivision unter General von Mühlen stand zwischen Flein-Haigern-Schozach, Talheim und Beilstein. Sie hatte den Befehl des Führers Adolf Hitler: "bis zum letzten Mann" zu kämpfen in der Tasche. Während der Kämpfe an Neckar, Enz und Heilbronn, saß der NS-Kreisleiter Drauz relativ sicher auf dem Stettenfels und versetzte die kriegsmüde Bevölkerung bei seinen Besuchen in den einzelnen Ortschaften in Angst und Schrecken. Er wollte bei allerhöchster Stelle in Berlin die württembergische Volkssturm-Batallione unter sein Kommando stellen, um Heilbronn zu "befreien". General Brandenburger der 19. Armee unterminierte beim Chef des Heerespersonalamts Burgdorf erfolgreich dagegen.

Es folgte ein Befehl Himmlers und des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) über das Zusammenschließen von Wehrmacht und Volkssturm. Doch das hinderte Drauz nicht, sich immer wieder in Wehrmachtsangelegenheiten einzumischen. Zwei Gebirgsjäger sollen auf Veranlassung des Kreisleiters erschossen werden, weil sie für mehrere Stunden ihre Stellungen verlassen hatten. Es war für jeden vernünftigen Bürger klar, dass der verbrecherische Krieg Hitlers grundsätzlich verloren war. Doch Wehrmacht und Volkssturm kämpften auf verlorenem Posten und mit dem Druck von Standgerichten aussichtslos weiter.
Auch in Lauffen wurde die Lage hoffnungslos: Vom Zabergäu kamen Wagen für Wagen mit deutschen Soldaten, Kanone um Kanone, die alle durchs Scheuerngäßle zur Neckarbrücke fuhren. Die Bahnhofstraße war durch einen großen Bombentrichter gesperrt. Es war kaum noch ein Durchkommen zwischen den Militärfahrzeugen und sich drängenden Menschen. Die Neckarbrücke war für Zivilpersonen und Soldaten der letzte Fluchtweg vor den aus dem Westen herandrängenden Alliierten. Zurückfliehende Zivilisten aus der Gegend von Frankfurt erzählten, dass es auf allen Straßen des Landes drunter und drüber ging. Zu Fuß, mit Pferden und Autos zogen die zurückflutenden Truppen immer im Schutze der Nacht über Lauffens Brücken in Richtung Löwenstein, um weiter nach Bayern zu kommen. Tagsüber war kein Marschieren möglich, denn die Flüchtlinge wurden von Tieffliegern beschossen. Man spürte es deutlich, jetzt naht die Front, der letzte Kampf beginnt.

Ein bayerischer Divisionspfarrer, der in Hausen an der Zaber im Quartier lag, brachte die schlechte Nachricht. Der Kampf findet in unserer Gegend nicht wie wir vermutet hatten von Westen nach Osten statt, sondern von Norden nach Süden, der Heuchelberg werde am Osterdienstag zur Front werden und ein bis zwei Tage später läuft die Hauptkampflinie durch Lauffen.

Auch die Verantwortlichen der NSDAP hatten Vorbereitungen getroffen, Lauffen vor der Übergabe an den Feind zu vernichten. Ein Stichwort sollte diese Aktion auslösen, doch das Stichwort kam nicht. Die große Neckarbrücke und alle anderen Brücken wurden zur Sprengung vorbereitet. Ein Pionierleutnant läßt die Brücke mit zehn Fliegerbomben à 500 kg belegen, außerdem wird der mittlere Pfeiler mit 300 kg Dynamit vollgestopft. Am 1. April 1945, dem Ostersonntag, wurde die Brücke von einem Pioniergeneral untersucht. Dieser lässt sofort acht bis zehn Bomben an der Brücke abmontieren. Dadurch ist die große Gefahr, dass Städtle und die Häuser an der Neckarlinie in die Luft fliegen, beseitigt. Eine allgemeine Auflösung machte sich breit. Wehrmachtssoldaten kamen nachts ins Dorf und taten sich in der Kelter der Weingärtnergenossenschaft und im Lager der bekannten Zigarrenfabrik gütlich. Der "Feind" sagten sie, soll nicht den herrlichen Lauffener Wein trinken und die guten Zigarren rauchen. Auch die Lauffener meinten, dass diese "Mangelware nicht in Feindeshand fallen soll." Auch sie taten sich gütlich am Genossenschaftswein und den Mugler-Zigarren. Die Franzosen, die den Vormarsch über die Straßen Lauffen-Nordheim unternehmen, werden durch massiven Widerstand aufgehalten. Es gelingt ihnen nicht, die deutsche Gegenwehr auszuschalten.

So bleiben die französischen Truppen auf dem Feld der Schlacht von Lauffen, auf der sich schon 1534 Herzog Ulrich von Wirtemberg im Kampf befand, stecken. Es gelang ihnen nicht, die deutschen Soldaten zu schlagen. So blieb es vorläufig beim Beschießen des nächtlichen Lauffen. Für die restlichen Bewohner von Lauffen, die keinen oder ungenügende Keller und andere Deckung hatten, begann ein seltsames Vagabundenleben. Gerüchte versetzten sie in Angst und Schrecken: "Der Ort soll total zerstört werden, oder die Bomber kommen", hieß es tagtäglich. Nun suchte man die Stellen unter dem Kirchenfelsen und im Zementwerk auf. Hier war man quasi gefangen. Die Eingänge lagen unter dem Feuer von marokkanischen Scharfschützen. Wehrmachtssoldaten, zusammengewürfelt aus Luftwaffe, Marine und Pionieren, werden einquartiert, die Wohnhäuser an der Neckarlinie werden mit Horch- und Spähtrupps belegt. Die Zivilbevölkerung hauste in Rübenkellern und Löchern, aus denen man früher Kies abgebaut hatte, und in Bienenständen. Das Dorf war fast ausgestorben. Pfarrer Pfleiderer über einen dieser Tage: "Die deutschen Soldaten zogen sich zurück, nachdem sie in den Lehmbrüchen der Ziegelei den französischen Truppen noch erhebliche Verluste beigebracht haben. Ihren Weg nahmen sie über das "Kloster", wo sie zum Teil übernachteten und dann gegen Abend die Kirchstaffel herauf am Pfarrhaus vorbei. Deswegen gingen die Artilleriebeschüsse der französischen Soldaten in unsere Richtung. Es war unheimlich im Keller. Einmal erbebte das mächtige Gewölbe und Mörtel fiel von der Decke. Stundenlang wimmerte ein fieberkrankes Kind; und eine Frau die einen Nervenschock erlitten hatte, redete wirr und jammerte laut."

Am Samstag, den 7. April 1945, hatte Hauptmann Denardou an der Felsenkante über Lauffen mit seinen Maschinengewehr-Fahrzeugen Aufstellung genommen. Mit einer kleinen Abteilung marschierte er zu Fuß in Lauffen ein und machte 60 Gefangene. Darauf besetzte das 4. tunesische Schützenregiment den Ort endgültig. Lehrer Karl Hammer schlich aus dem Keller, Soldaten, die noch vor einer Stunde mit Panzerfäusten auf den Feind gelauert hatten, waren verschwunden. "Ich hörte Befehle in fremder Sprache und schnelle Marschtritte". Französische Kolonialtruppen rücken eben ein. Der Krieg ist aus, Deutschland am Ende... Der erste Sonntag im April 1945 war ein schöner Frühlingstag. Die "Verteidiger" waren abgezogen, mit Taschenlampen suchten die französischen Soldaten in Ställen, Bunkern und Kellern nach versteckten Soldaten. Draußen war es aber immer noch gefährlich. Pfarrer Kernen sieht tags zuvor, wie um 19.30 Uhr eine Granate das Storchennest auf der Kirche traf und einer der Störche sein Leben lassen musste.
Das Pfarrhaus wurde zum Gefechtsstand für tunesische Soldaten gemacht. Über dem Neckar standen noch deutsche Truppen. "Es knallt herüber und hinüber, die Schüsse pfeifen ums Haus". Pfarrer Kernen spricht mit den Tunesiern, seine Frau kochte ihnen einen mitgebrachten Hasen. Ein französischer Leutnant aus Algerien, Medizinstudent, sprach gut deutsch, sein Großvater war Elsässer. So erfährt der Pfarrer, dass viele Tunesier schon auf deutscher Seite unter Rommel gekämpft haben und später von den Amerikanern zum Kampf gegen Deutschland angeworben wurden. Mit Geld, guter Verpflegung und Uniformen.

Am Montagmorgen wurden alle Häuser nach Waffen durchsucht. Wer sich zu dieser Zeit auf der Straße aufhielt und Schmuck oder eine Uhr trug, wurde diese Dinge los. Vergewaltigungen blieben auch in Lauffen nicht aus. Zwar waren die französischen Offiziere ehrlich bestrebt, derartige Auswüchse nicht zu dulden und zu ahnden, doch nicht jede Frau oder Mädchen kam ungeschändet davon.
Der Krieg zeigte hier wieder eines seiner hässlichsten Gesichter gegenüber der Zivilbevölkerung. Nach den Tunesiern kamen auch Marokkaner, meist große Gestalten mit dunkler Hautfarbe und malerischer Tracht, in langen Mänteln mit Kapuzen und flachen Stahlhelmen nach Lauffen.
Eine nächtliche Ausgangssperre wurde verhängt. Tagsüber benützten die marokkanischen Soldaten die Gelegenheit, sich Hühner zu beschaffen. Mancher Hühnerstall wurde halb oder ganz entleert. Das erbeutete Geflügel brutzelte auf vielen Feuerstellen im Dorf. Auch bei größeren Gegenständen nahmen es die Sieger mit dem Eigentumsrecht nicht so ernst. So verschwand auch der Mannschaftswagen der freiwilligen Feuerwehr von Lauffen, Typ Daimler Benz, Baujahr 1941. Am 13. April 1945, gegen 8 Uhr wurde ein SS-Oberscharführer tot im Gewand Unter Ainer Weg gefunden. Es wurde behauptet, er sei von den französischen Soldaten erschossen worden. Am nächsten Tag berichtete Pfarrer Pfleiderer von abziehenden Marokkanern. Was hatte man mit ihnen erlebt! "Wie gutmütige Kinder saßen sie unter uns im Hausflur, stets die MP mit 40 Schuß über den Mantel gehängt und spielten damit rum, dass es uns grauste". Sie hatten große Angst vor der SS, die drüben über dem Neckar sein sollte.
Zur Sicherung der französischen Soldaten mussten auch in Lauffen Geiseln gestellt werden - nur Parteigenossen der NSDAP. Man drohte sie zu erschießen, wenn die Zivilbevölkerung Feindseligkeiten gegen die Besatzungsarmee und ihre Einrichtungen unternehme. Mit dem Einmarsch der Alliierten Truppen wurden auch alle Kriegsgefangenen frei, die in Lauffen arbeiten mussten, ebenso die nach Lauffen verschleppten Zwangsarbeiter. Man fürchtete Racheakte ihrerseits, doch die blieben aus. Die Zwangsarbeiter erhielten von dem französischen Kommandanten die Erlaubnis, sich in den Fabriken und Geschäften schadlos zu halten. Zur Erleichterung aller Einwohner verließen sie kurz danach den Ort ihrer Zwangsarbeit. Aufgrund von Aussagen beim französischen Militär, wegen völkerrechtlicher Verstöße gegenüber Kriegsgefangenen in Lauffen, wurde ein dafür verantwortlicher SS-Mann aus Lauffen standrechtlich erschossen.

Am Sonntagmorgen, dem 14. April 1945, rückten amerikanische Truppen auf Lauffen vor. Die deutschen Militärs zogen sich aus dem Städtle zurück und die marokkanischen Soldaten besetzten auch den anderen Stadtteil von Lauffen. Um 13 Uhr wehte auf dem Rathaus die weiße Fahne. Die ganze Bevölkerung atmete auf. "Der Krieg ist zu Ende für uns", dachten alle. Die Leute gingen auf die Straße und standen in Gruppen zusammen. Sie hatten einander viel zu erzählen, von der Angst, die sie in den letzten Wochen ausgestanden haben. Da sausten wie ein Blitz aus heiterem Himmel Granaten durch die Luft. Schreckliche Kunde durcheilte das "Neckarstädtchen": 5 Todesopfer, 7 Schwerverletzte, eine große Anzahl an Leichtverletzten. Was war trotz "weißer Fahne" geschehen?
Durch die Straßen Lauffens zog ein französischer Granatwerfertrupp mit Mauleseln ab. Der gesamte Trupp war ungefähr 500 Meter lang. Ihm galten die Feindseligkeiten von Resten versprengter deutscher Truppen. Der letzte kriegerische Akt und die letzten zivilen Opfer des Krieges in Lauffen.
Der französische Kommandant von Lauffen setzte am 8. August 1945 Gottfried Pfeilsticker als kommissarischen Bürgermeister ein. Seine Mitarbeiter waren Theodor Walter, der wie Pfeilsticker nicht der NSDAP angehört hatte, sowie Friedrich Schmalzried und Oskar Schlecht. Sie nahmen die Geschicke der Stadt Lauffen in die Hand. Es sollte jedoch nicht lange dauern, am 25. April 1946 kam der neu eingesetzte Landrat von Heilbronn und setzte Walter im Beisein eines amerikanischen Offiziers ab. Er legte alle Ämter nieder und erklärte frustriert, dass in den Verwaltungen wieder mehr Nazis sitzen als vorher. Im Lauffener Stadtteil Dorf stehen französischen Truppen.
Im "Städtle" dagegen stand man unter amerikanischer Kontrolle mit Sitz der Kommandantur in Sontheim. Jetzt verlangte der französische Stadtkommandant, dass das zuständige Bürgermeisteramt wieder in den Ortsteil Dorf verlegt werden soll, da sich hier die französische Ortskommandantur befinde. Das Rathaus aber war im amerikanisch besetzten Teil Lauffens. Zustände, die an 1914 erinnern, als Lauffen verwaltungsmäßig zusammengeschlossen wurde. Eine Duplizität der Ereignisse zwischen den Weltkriegen in Lauffen.

Über ein halbes Jahrhundert ist es nun her, dass das Dritte Reich zusammenbrach und den Deutschen die Stunde Null schlug. Zwei deutsche Geschichten gab es danach: Ein sozialistisches Willkürregime auf der einen Seite, und im Westen das Wirtschaftswunderland. Jetzt sind sie wieder zusammen, die Deutschen aus Ost und West. Doch ein Blick zurück zeigt: Aus der Geschichte haben nicht alle Deutschen etwas gelernt. Anders die evangelischen PfarrerInnen der Kirchengemeinde Lauffen, so Pfarrer Gerhard Theodor Kuppler: "Mit unseren Konfirmandenjahrgängen besuchen wir regelmäßig die KZ-Gedenkstätte Dachau. Als Kontrastprogramm erfolgt dann ein Besuch der Bavaria-Filmstudios in München. Die Konfirmanden können hier gut lernen, dass schöner Schein und vordergründige Fassade auch ein Täuschungsmanöver sein kann. Ein umfassendes Besuchsprogramm mit tiefem Hintergrund zur politischen Meinungsbildung junger Lauffener Christen."
Auch regelmäßige Studienfahrten nach Israel veranstaltet die evangelische Kirchengemeinde Lauffen. Umgekehrt besuchte auch der Heidelberger Landesrabbiner die Lauffener Gemeinde und wurde vom damaligen Bürgermeister Manfred Kübler empfangen. Dieser schilderte ihm in der Kirche, dass während der NS-Zeit keine Juden in Lauffen ansässig waren. Verschmitzt deutete der Rabbiner auf das Kreuz und sagte: "Doch, einer schon." Der große Luftschutzkeller unter dem schützenden Dach der Regiswandiskirche ist nach dem Krieg zugemauert worden. Hoffentlich muss er nie wieder geöffnet werden.
"Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch."
Friedrich Hölderlin
*20. März 1770 in Lauffen am Neckar,
7. Juni 1843 in Tübingen