Unterwegs ins tausendjährige Reich
Die Vorgeschichte wie die Geschichte des Zweiten Weltkrieges sind nicht allein aus dem deutschen Geschehen zu verstehen und zu erklären. Ohne den ersten Weltkrieg ist der Zweite nicht zu denken. Überschauende, historische Betrachtung erweist auch den Zweiten Weltkrieg, wie einst den Ersten, trotz des Tatbestandes persönlicher Willkür und persönlicher Schuld, der sich mit seinem Ausbruch verbindet und der für immer mit Hitler verknüpft sein wird, als ein Glied in der Kette der geschichtlichen Kriege, in denen eine angestaute Problematik durch Gewalt nach Lösungen drängte. Zum 1. April 1914 wurde durch Erlaß der königlichen Regierung des Neckarkreises in Ludwigsburg der Zusammenschluss der bisherigen Teilgemeinden Lauffen a. N. Stadt und Dorf zum Gemeindebezirk Lauffen a. N. genehmigt. Eine friedliche Vereinigung, getragen von friedlichem Bürgertum, als in Europa militärische Borniertheit, Großmannssucht und Nationalwahn die Krankheiten der Epoche ausmachten. Vier Monate später erhielt die deutsche Armee den Mobilmachungsbefehl. Es war das tragische Ende einer Kette von Fehleinschätzungen und Mißverständnissen in einem insgesamt verfeindeten und nationalistischen Europa. Jeder gegen jeden - es war die Stunde der Egoisten.



"Der Kaiser ist ein lieber Mann" sangen die Kinder inbrünstig in der Lauffener Volksschule. Aber Kaiser Wilhelm II., der letzte deutsche Kaiser, war weder eine starke Persönlichkeit noch ein bedeutender Politiker. Die Verhältnisse, unter denen er regierte, überforderten ihn. Seine Komplexe versuchte er durch betont forsches Auftreten in der Öffentlichkeit zu kompensieren. Gegenüber der ungewöhnlich starken Persönlichkeit des Reichskanzlers Otto von Bismarck, einem Realpolitiker par excellence, den Wilhlem II 1880 entlassen hatte, sah sich der Kaiser als von Gottes Gnaden eingesetzt und empor getragen.

Nach dem Attentat am 28. Juni 1914 in Sarajewo, bei dem der österreichisch-ungarische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau ermordet wurden, lehnte er jeden Rat zu politischer und diplomatischer Auseinandersetzung ab und versicherte der Donau-Monarchie sofort seine Bündnistreue. Marschmusik hallte nun durch ganz Deutschland. Eine aus heutiger Sicht nur schwer nachvollziehbare Begeisterung hatte das deutsche Volk in diesen Wochen des Kriegsausbruches erfasst. Die österreichisch-serbische Konfrontation löste eine weltweite Kettenreaktion aus. Alle marschierten ins Chaos. Hindenburg und Ludendorff siegten 1914 noch bei Tannenberg. Auf dem Hauptkriegsschauplatz im Westen sah es später anders aus. Bei Verdun und an der Somme ging man unter im Trommelfeuer und Stellungskrieg, "mit Gott für König und Vaterland".



Unter den Gefallenen in den ersten Kriegswochen ist der Mitbegründer der Künstlervereinigung "Blaue Reiter", August Macke. Er fällt, gerade 27 Jahre alt, in der Champagne. Am selben Tag ereilt das Schicksal auch den als "Heidedichter" bekannten Hermann Löns. Er fällt bei Reims im Alter von 48 Jahren.