Lauffen im Inferno
Am 2./3. September 1940 fielen auf Lauffen a.N., wegen der Scheinanlage "Brasilien", als erste Stadt in Württemberg, neben 46 Brandbomben auch 4 Sprengbomben, davon eine mit Zeitzünder, die erst nach zwei Stunden explodierte.

Weit größer war der Angriff vom 12./13. Oktober 1941, bei dem 70-80 Sprengbomben und 500-600 Stabbomben fielen. Davon war insbesondere das Dörfle betroffen. In beiden Fällen gab es zwar keine Verluste an Menschenleben. Die Sachschäden waren aber erheblich. Die schwersten Schäden vor 1944 verursachte ein Lufttorpedo, der in der Nacht vom 6./7. Mai 1942 beim Bahnhof niederging. "Plötzlich folgte ein Schlag, der Erdboden wankte, ganz Lauffen bebte und zitterte, 1000 Fensterscheiben klirrten und gingen in Trümmer, Tausende von Dachziegeln fielen auf Straßen und Gärten. Ein Erdbeben?"



Bahnhof und Post waren dem Erdboden gleichgemacht, die Bahnhofstraße bis zum heutigen Postplatz sah aus, als hätte ein Wirbelsturm gewütet. Diesmal waren Opfer zu beklagen: drei Tote, sechs Schwer- und einige Leichtverletzte. Nach dem Abbau der Scheinanlage Ende 1943 verlor Lauffen den Status als "besonders gefährdeter Luftschutz-Ort". "Eine dringende Notwendigkeit, die Einrichtung des SHD in Lauffen am Neckar weiter bestehen zu lassen, besteht nicht."

Die Durchführung dieses Befehls war dem Luftgaukommando anzuzeigen. Mancher in Lauffen mochte ahnen, dass dies nur das Ende der Reichszuschüsse bedeutete, nicht aber das Ende der feindlichen Luftangriffe. Die Luftalarme wurden häufiger, und die Leute reagierten zunehmend nervöser auf das Heulen der Sirenen. Insgesamt wurde während des Krieges 382 Mal Fliegeralarm gegeben; dazu kamen noch etwa 1000 Übungsalarme.

Auf den 5. Juni 1944 war die Invasion in der Normandie ("D-day") festgesetzt, die dann um einen Tag verschoben wurde. Wegen hoher Verluste hatte das britische Bomber Commando am 31. März 1944 die "Schlacht von Berlin" abgebrochen; die Alliierten konnten sich nun auch Süddeutschland wieder verstärkt widmen. Die deutschen Abwehrkräfte aber - Jäger und Flak - waren noch immer auf den Raum Berlin konzentriert. In diesem Stadium traf es Lauffen.

Der 13. April 1944 war der Donnerstag nach Ostern, ein herrlicher Frühlingstag. Die Luft war klar, und es war so warm, dass Leute hemdsärmelig auf den Äckern und in den Weinbergen arbeiteten. Viele steckten Frühkartoffeln und setzten Frühgemüse, mit dessen Anbau man in Lauffen seit Kriegsausbruch begonnen hatte. Sie ließen sich auch nicht stören, als 13.34 Uhr Fliegeralarm gegeben wurde und gegen 14.30 Uhr die erste Staffel amerikanischer Bomber Lauffen in Richtung Südosten überflog.



Die Scheinanlage, die schon seit dem 6. Mai 1942 nicht mehr angegriffen worden war, bestand ja nicht mehr. 15.14 Uhr meldete der Drahtfunk: "Starke Rückflüge im Raum Heilbronn - Besigheim aus Südost." Kurz vor 16 Uhr warfen drei Pfadfinderflugzeuge Rauchmarkierungen, die als weiße Wölkchen langsam an Fallschirmen niedergingen. Die Luftschutzwache auf dem Rathaus hielt sie zuerst für die Fallschirme abgesprungener Flieger. Die Wölkchen markierten den Raum zwischen Neckarwestheim und Brackenheim sowie zwischen Haigern, Dürrenzimmern und Brackenheim.

Plötzlich gab das Führerflugzeug der drittletzten, in etwa 5500m Höhe fliegenden Welle - es waren B 24 der USAAF - das Zeichen zum Angriff: Auf einen Schlag öffneten alle Flugzeuge dieser Welle ihre Bombenschächte. 500 kg-Sprengbomben - um die Sprengwirkung zu verstärken, waren je drei miteinander verbunden - Flüssigkeitsbrandbomben und Splitterbomben fielen in ein unregelmäßiges Rechteck, das sich von einer Linie erstreckte, die im Süden am Nordufer des Neckars im Kurzen Gewand begann und im Norden an der Ilsfelder Straße etwa bei der Mündung jenes Feldwegs endete, der Vorderes und Hinteres Burgfeld trennt. Das Rechteck zog sich über Städtle, Dorf und Brühl hin, bis es mit der äußersten Spitze im Bereich der Hausener Hohle den Prallhang der alten Neckarschlinge erreichte.

Bürgermeister Sailer befand sich als örtlicher Luftschutzleiter bei der Wache auf dem Rathausturm. Da die Neckarmühle einen Volltreffer erhalten hatte, verließ er den Turm, um den Verschütteten zu helfen. Er hatte die Mühle noch nicht erreicht, da griff eine weitere Bomberstaffel an, zwei Minuten später die dritte - die letzte dieses Tages. Die Bomben der beiden letzten Staffeln fielen aus gleicher Höhe und gleicher Richtung in ein Rechteck, das sich fast genau westlich erstreckt. Es begann an einer Linie, die sich vom südlichen Neckarufer bei der Ulrichsheide bis zum nordwestlichen Ende des Köpfers hinzog, und verlief über die Herrenäcker, die Seugenäcker und den Unter Ainer Weg bis zur Zaber.

Die Splitterbomben der beiden letzten Staffeln - von den deutschen Beobachtern wurden die unmittelbar aufeinanderfolgenden Staffeln als eine Einheit angesehen - trafen zwar südlich der Linie Friedhof - Ludwigstraße - Bahnhof auch das Dorf. Vor allem aber fielen sie auf freies Feld, dorthin, wo sich noch immer Landwirte mit ihren Kuhgespannen befanden.

Die Splitterbomben, die bei diesem Angriff zum ersten Mal eingesetzt worden sein sollen, waren relativ klein (20lbs-Bomben), besaßen aber einen heimtückischen Zündstift. Er ragte 10 cm aus den Bomben heraus, so dass diese über dem Erdboden in Hunderte kleiner Splitter zerbarsten. "Sie fielen in großer Dichte in Abständen von ca. 5-20 m und hatten eine ungeheure Sprengkraft... Das Feld war mit Splittern übersät, so dass man teilweise mit dem Rechen die Splitter zusammenrechen konnte." Viele der Toten und Schwerverletzten dieses Tages gingen auf das Konto dieser Waffen. Noch nach dem Angriff gab es durch die Zünder dieser Bomben zwei Tote und drei Verwundete.



Innerhalb der wenigen Minuten, die der Angriff dauerte, entstanden zehn Großschadenstellen - an sechs davon wurden Menschen verschüttet -, drei Großbrandstellen, zwei mittlere und zahlreiche kleine Brandstellen. Die Hauptwasserleitung war an zwei Stellen getroffen, und die Fernsprechleitungen blieben tot.

Bei der Feuerwehr war ein leichtes Löschfahrzeug getroffen, beim Roten Kreuz das Sanitätsfahrzeug. Brände wüteten vor allem zwischen Sonnen- und Quergasse, zwischen Scheuerngässle und Schulstraße. Die zu je drei verbundenen Sprengbomben hatten die Mühle getroffen; weitere schlugen beim Stauwerk, am Westende der Neckarbrücke, am Schwesternheim, auf dem Friedhof, in der Brücken- und Stuttgarter Straße, bei der Kirche, in der Bahnhofstraße und in der Lindenstraße ein. Das städtische Gaswerk war beschädigt, der Gaskessel ausgebrannt. Durch Trümmer und Bombentrichter waren Brückenstraße, die Stuttgarter Straße, die Bahnhofstraße, die Seugenstraße und die Karlstraße unpassierbar.



Um halb sieben Uhr abends waren die Verletzten notdürftig verbunden. Sie lagen zum Teil im Gang und im Keller des alten Schulhauses, zum Teil im Eiskeller bei der Seugenstaffel. Da das Lauffener Krankenhaus sie nicht alle aufnehmen konnte, wurde ein Teil mit Lastwagen ins Heilbronner Krankenhaus gefahren.

Inzwischen waren auch die benachbarten Wehren von Heilbronn (zwei schwere und zwei mittlere Motorspritzen), die dortige Reichsbahnwehr (eine schwere Spritze) und die Wehren von Bietigheim, Brackenheim, Güglingen und Neckarsulm eingetroffen. In der Nacht kehrten die auswärtigen Wehren nach Hause zurück. Noch drei Tage später flammten immer wieder Brände auf.

Noch Wochen später behinderten Trümmer den Verkehr, gefährdeten brüchige Mauern die Bevölkerung. Den Befehl zu Aufräumarbeiten erteilten zwei Stellen: zum einen der Ortsgruppenleiter der NSDAP, zum anderen Bürgermeister Sailer. Wie andernorts hatte auch in Lauffen die Partei Führung, Organisation und Einsatz des Selbstschutzes weitgehend an sich gezogen; sie erteilte zum Beispiel am 5. Mai 1944 den Befehl zu Aufräumungsarbeiten an den "Betriebsführer der Stadtgemeinde".

Wie andernorts pochte aber auch in Lauffen der Bürgermeister nach wie vor auf seine Befugnisse als örtlicher Luftschutzleiter. Auf seine Veranlassung kamen, in der Regel am Sonntag nach einem Angriff, "von den umliegenden Ortschaften oft mehrere hundert Männer, viele Fuhrwerke und Autos zur Trümmerbeseitigung, da es die Lauffener Bevölkerung hätte unmöglich allein bewältigen können.



Die Bilanz des Angriffs vom 13. April 1944 ist erschreckend: 56 Leben wurden ausgelöscht, 108 Personen wurden verwundet. Die Neckarmühle, 26 Wohngebäude, 49 Scheuern - das gesamte Scheuerngässle brannte ab -, 29 Ställe, ein Geräteschuppen und eine Trafostation des Elektrizitätswerks wurden zerstört, insgesamt 107 Gebäude. Schwer beschädigt wurden der städtische Gaskessel, 47 Wohnhäuser, 17 Scheunen und sieben Ställe, mittlere Schäden erlitten 76 Wohnhäuser, 34 Scheunen und 14 Ställe, leichte Schäden 767(!) Wohnhäuser, 185 Scheunen, acht Ställe und zwei Fabrikgebäude.



Ferner waren insgesamt 935 Sach- und Flurschäden zu verzeichnen, letztere waren "im Benehmen mit dem Ortsbauernführer" abzuschätzen. Bei den Sachschäden fielen der Verlust eines leichten Löschfahrzeuges LF 8 bei der Feuerwehr und des Sanitätskraftfahrzeuges beim Roten Kreuz besonders ins Gewicht: Beide konnten während des Krieges nicht mehr ersetzt werden. Wie sehr Lauffen damals noch immer Ackerbürgerstädtchen war, zeigt neben der hohen Zahl beschädigter und zerstörter Scheuern und Ställen auch die Auflistung der "Tierschäden": Dem Angriff vom 13. April fielen zum Opfer 4 Pferde, 15 Ochsen, 27 Kühe, 1 Rind, 2 Farren, 2 Ziegen, 1 Ziegenbock, 1 Mutterschwein, 6 Mastschweine, 9 Milchschweine, 2 Schafe, 214 Hühner, 15 Hähne, 153 Hasen, 1 Hund, 27 Enten, 2 Enteriche, 5 Legegänse, 1 Truthenne und 40 Tauben.

Es gab kaum eine Familie in Lauffen, die nicht in der engeren oder weiteren Verwandtschaft einen oder mehrere Tote zu beklagen hatte. Die zuerst gemeldete Zahl von 28 Toten musste schließlich verdoppelt werden.

Von den 56 Toten waren 29 Männer, darunter drei französische Kriegsgefangene und ein ukrainischer "Zivilarbeiter", 17 Frauen, acht schulpflichtige und zwei nichtschulpflichtige Kinder. Am 17. April 1944 erteilte der Ortsgruppenleiter detaillierte Anweisungen für die Trauerfeier am 19. April. Danach sollten Wehrmachtsangehörige aus Heilbronn und Lauffen um 13.30 Uhr die Särge vom Klostersaal ("städt. Turnhalle") auf den oberhalb des Klosters gelegenen Feierplatz tragen. 13.40 Uhr hatten die Ordner anzutreten; der Feierplatz blieb gesperrt, bis alle Särge aufgestellt waren. Ordner- und Absperrungsdienste hatten "Politische Leiter" der NSDAP, Hitlerjungen und BdM-Mädel aus Lauffen sowie Feuerwehrmänner aus Hausen, Meimsheim, Brackenheim, Dürrenzimmern, Nordheim, Horkheim, Talheim und Flein zu versehen.

Die Wichtigkeit des Ordnungsdienstes hatte der Ortsgruppenleiter mehrfach betont - offensichtlich fürchtete die Partei Szenen, die nicht mit dem "Heldentum" des deutschen Volkes in Einklang zu bringen waren. 14.25 Uhr war Abmarsch zum Feierplatz befohlen. An der Bergseite des Platzes sollten - unter dem Kommando von Rittmeister Beutel - die Wehrmacht und ihr Musikzug sowie die Formationen und die Gliederungen der Partei Aufstellung nehmen, und zwar hinter dem Rednerpult.

Nach einer festlichen Musik, dem Text "Unseren Toten" und der vom Deutschen Männerchor Lauffen vorgetragenen "Mahnung" sollte die Ansprache des Ortsgruppenleiters folgen. Anschließend waren die Namen der Toten zu verlesen. Mit dem Lied vom guten Kameraden, der Kranzniederlegung und einem weiteren Musikstück sollte dieser Teil der Trauerfeier beendet werden. Währenddessen sollten Wehrmachtsangehörige die Särge auf die in der Nordheimer Straße wartenden Wehrmachtslastwagen verladen.



Aus der Sicht der NSDAP sollte die Trauerfeier also in erster Linie eine Parteiveranstaltung sein. Erst nach dieser Feier hatten die nächsten Angehörigen Gelegenheit, die Gräber zu besuchen; für die Öffentlichkeit war der Friedhof wegen Blindgängergefahr gesperrt. Erst nach Stunden konnten die letzten Angehörigen von ihren Toten Abschied nehmen. Auch die Geistlichen durften selbstverständlich erst nach Beendigung der "Gesamtfeier der NSDAP" an die Gräber treten (die Mehrzahl der Opfer, 46 Tote, hatten der Evangelischen Kirchengemeinde angehört). Beim anschließenden Trauergottesdienst in der Regiswindskirche hielt Dekan Sting eine kurze Ansprache, Stadtpfarrer Kernen übernahm die Liturgie. Stadtpfarrer Pfleiderer sprach über Johannes 14, Vers 1: "Euer Herz erschrecke nicht! Glaubet an Gott und glaubet an mich!" Dass die Evangelische Landeskirche nicht gewillt war, sich von der Partei an den Rand drängen zu lassen, machte Landesbischof Theophil Wurm überzeugend klar.

In einem schmalen Heftchen hatte der Ortsgruppenleiter "den Angehörigen unserer Toten vom 13. April 1944" den Text seiner Trauerrede im Druck überreicht, eine Rede, die den Vorwurf des Landesbischofs voll verdiente. Zu Anfang, vor Mörikes Gedicht "Denk' es, o Seele" und vor der Rede, stand das Namensverzeichnis der "Gefallenen". Bei dieser eigentlich militärischen Bezeichnung handelt es sich um eine der damals üblichen, zentral ausgegebenen Sprachregelung des "Dritten Reichs".

Im Zeichen der totalen Mobilisierung der Bevölkerung waren die Toten ja "Soldaten in der Heimat" gewesen. Eine ähnliche Sprachregelung galt für Luftangriffe: Sie wurden meist als Terrorangriffe bezeichnet. Wie solche in zwölf Jahren Diktatur den Köpfen eingehämmerten Denkschemata und Sprachregelungen sich einprägten, zeigt z.B. das von Stadtpfarrer Kernen im September 1946 im Druck herausgegebene Gedenkblatt für die Kriegsopfer der Lauffener Evangelischen Kirchengemeinde. Die Überschrift über den Namen der Toten des 13. April 1944 bilden - ohne jeden erklärenden Zusatz - die Worte: "Am 13. April 1944 gefallen und am 19. April hier beerdigt".



In seiner Trauerrede behauptete der Ortsgruppenleiter, Deutschlands Feinde hätten das Reich zum Krieg, "zur Verteidigung unserer deutschen Heimat" gezwungen. Er warf England vor, es habe den Luftkrieg gegen deutsche Städte und Dörfer begonnen, verschwieg aber, dass Deutschland Unrecht mit Unrecht vergolten hatte.

Geschickt wies er darauf hin, dass der Feind bisher deutschen Boden nicht betreten habe, dass Opfer des Luftkrieges vor allem Frauen und Kinder seien. Er gab zu, dass die alliierten Schläge die "Heimat" trafen, behauptete aber im selben Atemzug, "dass auch wir in der Heimat niemals vor unseren Feinden kapitulieren werden! Wir tun dies nie und nimmer, weil wir Nationalsozialisten geworden sind." (Ein Jahr später kapituliert Deutschland.) Er schürt die Furcht vor den "Feinden des Westens" und rief zum "Schicksalskampf aller Deutschen" auf. Es folgte - unverzichtbar in Lauffen - ein Hölderlinzitat:

"Eines gilt nur für den Tag
das Vaterland
und des Opfers festlicher Flamme
wirft jeder sein eigenes zu."

Für die Angehörigen fand der Ortsgruppenleiter Worte des Trostes und des Mitleids, wobei er mahnend hinzufügte, es liege "gewiss im Sinne der Toten, die wir nun in der heimatlichen Erde zum letzten Schlaf legen, dass auch sie mutig und tapfer bleiben."

Den Schluss der Rede bildete - und dies war wohl ihr eigentlicher Zweck - der Aufruf an die deutschen Männer und Frauen, die Mahnung der Toten zu hören und freudig das Leben für die Verteidigung Deutschlands einzusetzen in der Gewissheit, "dass der Allmächtige den Lebensweg unseres deutschen Volkes segnen wird."

Der "Glaube an den deutschen Sieg" müsse unerschütterlich sein. "Für ihn" - für den Sieg - "lasst uns in Front und Heimat weiterhin unerschütterlich kämpfen und arbeiten, denn dadurch erweisen wir den Toten des Reiches und den 52 Gefallenen der Stadt Lauffen vom 13. April 1944 die höchste Ehre." Heroismus war offensichtlich der einzige Weg, den die Partei dem Volk noch weisen konnte.

Selbstverständlich hatte der Ortsgruppenleiter nur von 52 Toten gesprochen - die drei französischen Kriegsgefangenen und der ukrainische Zwangsarbeiter waren ja nicht für Deutschland gefallen. Dabei haben wir dankbar daran zu erinnern, dass Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene ihr Leben einsetzten, um Verschüttete - Deutsche wie eigene Leute - zu bergen und Brände zu löschen.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges beklagten die Lauffener als Folge der Luftangriffe 99 Tote und 200 Verwundete. Die Stadt war zu 40% beschädigt: 200 Gebäude waren total zerstört, 56 schwer, 115 mittelschwer und 324 leicht.

Nicht ganz ohne Grund trugen die Lauffener den Stuttgartern nach, dass die Bomben, die sie hätten treffen sollen, auf Lauffen und "Brasilien" gefallen waren. Mit Takt und Geduld verstand es Oberbürgermeister Arnulf Klett, diese Animosität auszuräumen. 1958 schrieb er der Stadt Lauffen, die Stadt Stuttgart sei sich der Opfer bewusst und schulde Dank. Als äußeres Zeichen ließ er ein Ölgemälde übergeben.