Der neuntägige erbitterte Kampf um Heilbronn geht am 12. April 1945 dem Ende zu. Die Heilbronner Kriegs-Chronik setzt den Abzug der letzten deutschen Soldaten aus den östlichen Stadtteilen am 12. April 1945 auf 4 Uhr morgens an und fügt hinzu: "Die Amerikaner folgen ihnen nach und sind um 9 Uhr in der obersten Wollhausstraße. Dann stoßen sie auf den Wartberg, den Weinsberger Sattel und bis zum Jägerhaus vor."

Am 20. April 1945 - Hitlers Geburtstag - 8 Tage nach dem gnadenlosen Häuserkampf um Heilbronn und dem hart erkämpften Sieg der 100. US-Infantriedivision über die Stadt spielt sich im 300 km entfernten Obersalzberg bei Berchtesgaden ein makaberes Zenario ab: "Götterdämmerungs-Schlußakt", mit großem Aufwand wird hier die letzte NSDAP-Ortsgruppe des "Dritten Reichs" gegründet.
Hitler und Bormann halten dies moralisch für notwendig und die Verwaltung Obersalzberg veranstaltete eilig eine Großkundgebung in der zum Führerhauptquartier gehörenden Theaterhalle. Der Berchtesgaden Kreisleiter Stredele schlug vehement zum letzten Mal die NS-Werbetrommel. Die Halle war bis auf den letzten Platz besetzt. Angehörige der Belegschaften waren dazu kommandiert worden. Bayerns Gauleiter Gießler erklärte, dass er an der "Stätte des heiligen Berges", von dem schon viel Segen über das großdeutsche Vaterland gekommen sei, neuen Mut und Glauben für seine lieben Münchner schöpfen wolle, die alle Bombardierungen mit Stolz und unbeugsamer Kraft ertragen.
Stredele schloß seine Rede: "Es wird noch ein Wunder kommen. Hitler selbst wird dieses Wunder sein." Das Ergebnis dieser letzten NSDAP-Ortsgruppengründung ist nicht mehr bekannt geworden. Die Ortsgruppe hat vier Tage existiert. Dann kam das Wunder - das Ende! Am Mittwoch, den 25. April 1945, wird der Obersalzberg von amerikanischen Kampfflugzeugen bombardiert. Das ganze "Führergebiet" gleicht anschließend einer Mondlandschaft, nur riesige Bunker und Stollenanlagen halten der Bombenwucht stand. Errichtet wurden sie von der Arbeitsgemeinschaft Philipp Holzmann, Held & Franke (ARGE-Obersalzberg) mit über 3000 Arbeitern, zum größten Teil tschechische Zwangsarbeiter und Italiener.
Die 101 US-Airborne-Division besetzt am 4. Mai 1945, 18 Uhr - im Gegensatz zu der vorausgegangenen erbitterten Verteidigungsschlacht um Heilbronn - kampflos Hitler "gigantische Sommerfrische" am Obersalzberg im Berchtesgaderland. Zuvor wurden jedoch überall in ganz Deutschland die letzten Reserven mobilisiert. Volks-"Grenadierdivisionen", Mädchen stehen an Flakgeschützen, 70-jährige und Militäruntaugliche marschieren und sterben im "Volkssturm" - Seite an Seite mit zwölfjährigen Kindern. Hauptsächlich mit Panzerfäusten sollen alliierte Divisionen aufgehalten werden. Jeder Panzerfaustabschuß kommt einem Todesurteil gleich, weil der Feuerstrahl das Versteck des Schützen verrät.

In Sontheim zwischen der katholischen Kirche und der evangelischen Kirche soll auch eine Panzersperre die Amerikaner aufhalten. Das Kopfsteinpflaster der Hauptstraße ist aufgerissen, in den Löchern stecken Tannenstämme, dazwischen Quadersteine und Lehm.
Neben der eiligst errichteten Panzersperre steht das kleine Haus der Familie Kühner, die mehrere Kinder hat. "Wenn die Amis kommen", so die Nachbarn, "umfahren sie die Sperre einfach und walzen das Haus der Kühners sicherlich nieder". Mütter, Jugendliche und Kinder beginnen, die Panzersperren abzubauen.
Auch die 21-jährige Anna Maier hilft. Karl Taubenheimer, der abgesetzte Ortsgruppenleiter kommt vorbei. "Ich habe gehört," sagt er, "dass jemand von der Kreisleitung kommt. Lasst das lieber sein." Sein Ratschlag wird befolgt, man zerstreut sich widerwillig. Später kommt Anna Maier mit ihrem Fahrrad an der Sperre wieder vorbei. Sie ist auf dem Weg zum Bäcker. Der neue Ortsgruppenleiter erkennt Anna, sagt zu seinen Parteigenossen "Die war dabei. Das war die Haupträdelsführerin. Die könnt ihr mitnehmen!" Anna Maier wird gleich NSDAP-Kreisleiter Richard Drauz vorgeführt. "So. Die isch dös!" sagt Drauz. "Die wird sofort erschossen. Und zwar am Ort des Geschehens. Zur Abschreckung für alle anderen!" Drauz verhört und beschimpft Anna Maier: "Schlampe, Hure, Drecksau!" Sie soll die Namen der anderen Helfer nennen. Anna Maier bleibt dabei: "Nein!" Drauz fährt sofort nach dem Verhör mit Anna Maier und einem dreiköpfigen Erschießungsmannschaft ins Sontheimer Rathaus. "Für die Erschießung gilt Standrecht", sagt Drauz.
Auch Karl Taubenheimer wird vorgeführt. Er soll heißt es, zum Abbau der Panzersperren aufgefordert haben. Taubenheimer begrüßt Drauz: "Ach Richard!" Drauz will von seinem ehemaligen Parteifreund nichts mehr wissen: "Für sie bin ich nicht mehr der Richard!" Seine Befehle sind deutlich: Taubenheimer und das Mädchen werden erschossen, zur Abschreckung bleiben die Leichen liegen!" Taubenheimer ungläubig: "Das kann doch nicht ernst sein!"
Im Rathaus geht es nun turbulent und lautstark zu. Jemand reißt Taubenheimer die Jacke runter. Anna gerät hinter eine Tür. Sie ist nicht mehr Hauptperson. Drauz: "Auf! Los! Jetzt marschieren wir runter!" Alles konzentriert sich auf Drauz und Taubenheimer. Anna Maier, von Todesangst gequält, die noch immer hinter der Türe steht wird vergessen, wie in Trance läuft Anna Maier nach einiger Zeit dem Erschießungskommando hinterher. Als sie am alten Rathaus ankommt, hört sie Schüsse. Sie sieht wie Karl Taubenheimer zusammensinkt. Drauz und sein Kommando fahren eilig davon. Um den Hals von Taubenheimer hängt ein Schild: "Ich bin ein Volksverräter!" Der Leichnam muss auf Befehl von Drauz 24 Stunden lang liegen bleiben.

Die 7. US-Armee kämpfte nach dem Rheinübergang auf der linken Seite der 1. Französischen Armee nördlich einer Linie von Speyer bis Lauffen am Neckar. Am 4. April 1945 - dem Tag des Beginns der Kämpfe um Heilbronn - verlief die Front in nordöstlicher Richtung von Karlsruhe bis südlich von Würzburg.
In Heilbronn macht sich bei großen Teilen der Bevölkerung, bei den Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen, eine gewisse Erleichterung über das nun absehbare Kriegsende breit, allerdings gepaart mit Unsicherheit ob man rechtzeitig befreit würde und wie sich die Sieger wohl den Einwohnern gegenüber verhalten. Ganz andere Aktivitäten entwickelte die Führungskader der NSDAP.
Vielen war längst klar, dass sie von den Siegern keine Schonung zu erwarten hatten. Also wollen sie wenigstens ihren "kolossalen" Abgang inszenieren. Keiner im Land schmolz jetzt mehr dahin, wenn Zarah Leander jetzt noch aus dem Volksempfänger mit erotisch-rauchiger Stimme den Durchhaltewillen und die Hoffnung beschwor: "Ich weiß es wird einmal ein Wunder geschehen, und dann werden tausend Märchen wahr".
Die Schlußzeile: "...und ich weiß, das wir uns wiedersehen!" ließ ausgestandene Ängste nicht mehr verblassen - es war ja alles viel Schlimmer gekommen. "Davon geht die Welt nicht unter, sieht man sie manchmal auch grau. Einmal wird sie wieder bunter, einmal wird sie himmelblau! Geht's mal drüber geht's mal drunter, wenn uns der Schädel auch raucht. Davon geht die Welt nicht unter, die wird ja noch gebraucht!" - Denkste, werden die nicht nur Parteibonzen dabei gelacht haben, denn Hitlers "Nero-Befehl" erreichte als geheime Reichssache sie alle, auch Heilbronn. Reichstatthalter Wilhelm Murr verbreitete von Stuttgart aus die Untergangsorder an alle Verwaltungsstellen. Gleichzeitig leitete er unter dem Stichwort "Ceaser" die Vorbereitung zur Evakuierung der NS-Stellen und Bewohner ein.
Für den Beginn der Zerstörungsmaßnahmen selbst setzte er das Losungswort "Schwabentreue" fest. "Alle militärischen, Verkehrs-, Nachrichten, Industrie- und Versorgungsanlagen sowie Sachwerte, die sich der Feind zunutze machen kann sind zu zerstören". Aber nicht nur die Lebensbasis des deutschen Volkes sollte vernichtet werden. Ein Volk, so Adolf Hitler in einem Gespräch mit Albert Speer, das nicht bereit sei, "sich für die Selbsterhaltung einzusetzen", müsse "verschwinden... Es sei nicht notwendig, auf die Grundlagen, die das Volk zum primitivsten Weiterleben braucht, Rücksicht zu nehmen. Im Gegenteil sei es besser, selbst diese Dinge zu zerstören. Denn das Volk hätte sich als das schwächere erweisen, und dem stärkeren Ostvolk gehöre dann ausschließlich die Zukunft. Was nach dem Kampf noch übrigbleibt, seien ohnehin die Minderwertigen, denn die Guten seien gefallen".
Daraufhin ordnet Himmler zusätzlich am 3. April 1945 an: "Aus einem Haus, aus dem eine weiße Fahne erscheint, sind alle männlichen Personen zu erschießen".
Im Unterland war der Krieg längst allgegenwärtig und keiner konnte sich dem Kriegsgeschehen mehr entziehen. Die 63. US-Infantriedivision (Blut und Feuer) und die "Hundertmänner" folgten den rasch zum Neckar bei Böckingen und Neckarsulm vorgedrungenen Kampfkommandos, die versuchten eine Brücke zu erobern, um am Ostufer das links des Neckars bis in den Raum Lauffen zurückgegangene deutsches Armeekorps von dem anderen bei Heilbronn stehenden zweiten Armeekorps abzuschneiden.
Am späten Abend des 3. April 1945 war das 3. US-Bataillon in Neckargartach eingerückt und am Flußufer etwa 300 Meter nördlich der gesprengten Neckargartacher Brücke in Stellung gegangen. Von dort aus machte die 10. Kompanie am 4. April 1945 frühmorgens um 3.30 Uhr die erste Überfahrt in 14 Sturmbooten. In Höhe der Unteren Viehweide gingen die ersten amerikanischen Soldaten am rechten Neckarufer an Land.
Die Überfahrt erfolgte ohne Artillerievorbereitung und ohne einen einzigen Schuß von amerikanischer Seite. Vom Ufer aus rückten sie gegen das Kraftwerk vor und besetzten es ohne Kampf. Auch die 9. und die 11. US-Kompanie setzten in der nächsten Stunde ohne nennenswerten deutschen Widerstand über den Fluß und sammelten sich teils im, teils neben dem Elektrizitätswerk. Das Bataillon breitete sich im Verlauf der nächsten Stunden fächerförmig nach Norden und Osten aus. Die 11. Kompanie der Amerikaner kam etwa halbwegs bis zum Sägewerk Hespeler beim ehemaligen Pionierpark.
Der 2. Zug der 10. US-Kompanie drang nach Süden gegen den Nordrand des Industriegebiets ins Salzwerk vor. Die beiden anderen Züge kamen entlang der Karl-Wüst-Straße bis zur Neckarsulmer Straße. Während der 3. Zug von der Karl-Wüst-Brücke aus entlang der Neckarsulmer Straße nach Heilbronn vorfühlte, begann der 1. Zug den steilen und kahlen Westhang des Wartbergs hinaufzusteigen und er erreichte den Gipfel ehe es heller Tag wurde. Als der amerikanische Brückenkopf eine Tiefe von 2 km hatte, brach starkes Artillerie- und Granatwerferfeuer über die Amerikaner herein, gefolgt von vehementen Gegenangriffen der deutschen Wehrmacht von drei Seiten aus mit einer Stärke von etwa insgesamt 500 Mann.
Es schien, als ob deutsche Soldaten durch unterirdische Gänge in den Rücken der Amerikaner einsickerten, denn sie erschienen zuerst in einem Gebäude in der Gegend des Salzwerk hinter dem nach Süden vorgehenden zweiten Zug, der dadurch völlig abgeschnitten wurde. Eine andere deutsche Kampfgruppe attackierte die zum Sägewerk vorgehenden Kompanie und den 3. US-Zug an der Karl-Wüst-Brücke.
Dieser deutsche Gegenangriff, der zum Teil aus Neckarsulm heraus angesetzt war, traf besonders empfindlich die Flanke der vorgehenden Amerikaner. Das US-Bataillon wurde zurückgeworfen. Es verlor durch die deutschen Gegenangriffe fast seine ganze Spitzenkompanie. Der 1. Zug auf dem Wartberg und der 2. Zug des US-Bataillons im Industriegebiet waren vollständig abgeschnitten. Die Amerikaner konnten sich erst mit Hilfe eigenen Artilleriefeuers in einem reduzierten Brückenkopf festsetzen.
Spätestens jetzt wurde den Amerikanern klar, dass die Verteidiger Heilbronns weitaus stärker waren, als sie vorher angenommen hatten. Die einzelnen deutschen Kampfgruppen verteidigten sich hartnäckig. Die deutsche Artillerie in ihren Stellungen auf dem Wartberg und dem Stiftsberg hatte die allerbesten Beobachtungsmöglichkeiten über die Entwicklungen im amerikanischen Brückenkopf.
Deshalb konnte es den Pionieren der 10. US-Panzerdivision am 4. April 1945 auch nicht gelingen, die versprochene Pontonbrücke zu bauen, um Verstärkung über den Fluß zu bringen.
Alle Bemühungen, Verbindungen mit den abgeschnittenen US-Soldaten aufzunehmen, scheiterten. Durch einen Funkspruch erfuhren die Amerikaner, dass der auf den Wartberg angesetzte 1. Zug schon vor Tagesanbruch 14 Deutsche überrascht und gefangennahm.

In einem weiteren Funkspruch ließ der amerikanische Zugführer mitteilen, dass er trotz Munitionsmangels bis zum Einbruch der Dunkelheit auf dem Wartberg halten wolle. Die letzte Nachricht, die der amerikanische Gefechtsstand im E-Werk vom Wartberg aufnehmen konnte, war ein Walkie-Talkie-Funkspruch mit der Bitte um Feuerunterstützung gegen ein deutsches Geschütz östlich des Turmes, das ihnen schwer zu schaffen machte.
Einige Tage später hat ein gefangengenommener deutscher Offizier bei seiner Vernehmung nähere Einzelheiten über die Vorgänge auf dem Wartberg berichtet. Obwohl die Amerikaner den Deutschen zahlenmäßig unterlegen waren und noch Gefangene bewachen mussten, verteidigten sie sich mit allem, was sie hatten und warfen Handgranaten bis auf 5 Meter Entfernung. "Ich brauchte alle 90 Mann meiner Kompanie, um sie zu überwältigen", berichtete der deutsche Offizier.
Nach dem Ende der Kämpfe um Heilbronn fanden die Amerikaner drei Gräber mit gefallenen amerikanischen Soldaten, die von dem damaligen Hausmeister auf dem Wartberg angelegt wurden. Es ist bemerkenswert, dass die amerikanische Artillerie wegen des vermißten Zuges auf dem Wartberg fast 24 Stunden lang nicht gegen die deutsche Artilleriebeobachter auf dem Turm des Wartbergs eingreifen konnte und sich mit der Beschießung zurückhielt.
Die Mißerfolge am 4. April 1945 veranlaßten den Kommandierenden General des VI. US-Corps, Brooks, seine ursprünglichen Absichten zu ändern. Er überließ der 100. US-Infantrie Division allein den Kampf um Heilbronn. Er zog die 10. Panzerdivision vom Neckar ab und ließ sie hinter der Front der 63. US-Infantrie Division an der Jagst vorbeiziehen und aus dem Raum Mergentheim auf der Suche nach einer schwachen Stelle in der deutschen Verteidigung einen überraschenden Vorstoß nach Crailsheim machen. Von Crailsheim aus sollte die Division dann weiter nach Westen bis Heilbronn zur Entlastung der dort kämpfenden 100. US-Infantrie Division wieder vorstoßen.
Diese Entwicklung änderte die Lage von Grund auf. US-General Burres stand vor einem schwierigen taktischen Problem. Auf Grund der Entscheidungen höherer Kommandobehörden sah er sich plötzlich einer unvorhergesehenen Situation gegenüber. Eines seiner Bataillone lag am Ostufer des Neckars fest, das von einem "weitaus überlegenem" Feind heftig attackiert wurde.

Um dem festliegenden Bataillon II/397 zu helfen, musste der amerikanische Regimentskommandeur sein III. Bataillon antreten lassen. Die Überfahrt wurde auf den 5. April 1945, 10.45 Uhr angesetzt. Zwei Kompanien gingen über den Fluß, eine Kompanie blieb als Reserve am Westufer und die vierte Kompanie des Bataillons musste in Neckargartach "eingesickerte" deutsche Scharfschützen bekämpfen.
Nach gründlicher Artillerievorbereitungen auf die Verladehöfe, durch die zwei Lagerhäuser am Salzwerkhafen in Brand geschossen wurden und der Widerstand der Deutschen in diesem Gebiet zusammenbrach, machte die vier Kompanien beider Bataillone den entscheidenden Angriff. Um 17 Uhr mussten sich die deutschen Soldaten, die nach einem einstündigen Trommelfeuer in den Keller der Gebäude noch waren, ergeben. Es waren 193 Mann, darunter Hauptmann Weiß.
Beide US-Bataillone kamen in den folgenden Tagen nur langsam und mühsam durch das Industriegebiet über die Fiatwerke und den Salzwerkplatz voran, ehe sie am Bahndamm beim Sülmertor endgültig festlagen.
Die deutschen Kampfgruppen verteidigten sich in den Ruinen des zerbombten Heilbronn äusserst zäh und formierten sich immer wieder zu neuen Gegenangriffen, die zum Teil von Panzern und Sturmgeschützen unterstützt wurden. Die einzelnen Soldaten der 100. US-Infantrie Division wußte schon von Anfang an, dass es in Heilbronn hart hergehen würde, sie konnte sich aber kaum so eine hartnäckige Verteidigung vorstellen, zu der die Deutschen in diesem ihrem letzten Stützpunkt vor der gerühmten Festung Süddeutschland, den Alpen, entschlossen waren...
"Die Hundertmänner jagen Kinder und fanatische SS aus einer zerstörten Stadt", schreibt Kriegsberichterstatter Howard Byrne am 15. April 1945 in der US-Soldaten-Zeitung "Stars and Stripes" über den Kampf um Heilbronn. Byrne, selbst an vorderster Front schilderte diese Erlebnisse hautnah: "Der Keller des Hauses in Heilbronn war voll Staub und Dreck. Das Haus bebte und die Gesichter der am Boden liegenden ,Hundertmänner' waren rot und voll Schweiß. Die detonierenden Geschosse gingen einem auf den Magen und erschütterten die Gedärme. Man sagte uns, diese Stadt sei schon fast genommen. Wir hörten das schon seit dem Frühstück".
"Ich vermute, die Deutschen sind noch auf dieser Seite der Neckarbrücke" sagte Sergant Deswall aus Springfield. "Ich dachte, Bitsche war schon ein harter Brocken, aber dies ist hier a son of a Bitsch!" wetterte Sergant Anthony Ross aus Nutley, New Yersey. Einige der Männer lachten gezwungen, die Spannung ließ etwas nach, obgleich man das von der Beschießung nicht sagen konnte!
Bitche war ein Eckpfeiler der Maginotlinie im Elsaß, den die 100. Division erst nach drei Monaten langem Ringen einnehmen konnte. Nun wurde dieser Ort zum Maßstab, an dem alle anderen Taten der 100. US-Infantrie-Division gemessen wurden.

Heilbronn hatte keine kriegswichtigen Industrie, aber anscheinend glaubte das deutsche Oberkommando, sein Verlust sei eine Bedrohung des nationalen Widerstandsgebietes, das es in den bayerischen Alpen vorbereitete. Wie Crailsheim war auch Heilbronn von den Nazis bestimmt worden, um jeden Preis gehalten zu werden!
Die Straßen von Heilbronn waren mit Leichen übersät, 1500 Gefangene waren bereits gemacht! "Wir kämpften gegen Hitlerjungs, hinter denen SS-Soldaten standen", sagte Captain Richard G. Joung aus Hamden, Conneticut. "Die Kinder erklärten, ihre Offiziere würden sie erschießen, wenn sie aufhören zu kämpfen. Die meisten von ihnen waren erst 16 Jahre alt. Aber die kleinen "Bastarde" fochten wie die Teufel! Wenn unsere Panzer sie aus den Häusern heraus gehauen hatten, fingen sie an zu schreien.
Ein Junge war völlig fertig und kopflos, er klammerte sich an unsere Soldaten, küßte sie und bat sie, ihn nicht zu erschießen. Aber diese SS-Männer waren tatsächlich "zähe Affen"! Einer stand auf der Straße und schoss sich lieber mit seiner Pistole vor unseren Augen eine Kugel durch den Kopf, ehe das er sich gefangennehmen ließ!"
Es ist der vierte Tag des Kampfes um Heilbronn, vormittags. Ein Teil der deutschen Truppe zieht aus taktischen Gründen aus der Stadt ab. Gegen 10 Uhr marschieren einige Soldaten durch die Schweinsberg-/Clauswitzstraße stadtauswärts. "Was sollen wir tun, wenn der Feind die Straße besetzt!" fragt ein Anwohner einen der vorbei marschierenden deutschen Offiziere. "Hängen sie ein weißes Tuch zum Haus heraus", empfiehlt der Wehrmachtsoffizier seinem Landsmann. Kurze Zeit später hängen aus mehreren Häusern in dieser Straße weiße Tücher heraus.

Etwa eine Stunde später kommen eilig zwei Fahrzeuge die Straße hoch. Kreisleiter Drauz ist auf der Flucht aus Heilbronn, begleitet von drei Männern des Volksturms im Alter von 28 bis 38 Jahre. Drauz fühlt sich in der Stadt nicht mehr sicher und will sich auf den Stettenfels zurückziehen. Einer der Volksturmmänner macht Drauz auf die weißen Tücher aufmerksam.
"Halt! Raus! Erschießen. Alles erschießen!" brüllt Drauz. Seine Begleiter stürmen zum ersten Haus, schlagen die Türen ein und holen die weiße Fahnen herunter. "Ein Offizier hat es befohlen", will sich der Heilbronner Stadtrat Karl Kübler im Nachbarhaus rechtfertigen. "Erschießen, die Feiglinge! Erschießen!" schreit Drauz. Neben Kübler tritt seine Ehefrau Anna couragiert vor die Tür. "Aber meinen Mann erschießt ihr nicht". Gleichzeitig peitschen Schüsse auf, das Ehepaar flüchtet ins Haus, der Volksturm hinterher, dann weitere Schüsse. Das Ehepaar Kübler bricht tot zusammen.
Der im gleichen Haus wohnende Pfarrer a.D. Gustav Beyer stirbt nach einem Schuß ins Herz in den Armen seiner Frau. Noch auf zwei weitere Frauen und zwei Brüder schießen die Drauz-Helfer, ohne sie jedoch zu treffen. Dann finden sie ihr viertes Opfer: Auf Klopfen an ihrer Haustüre öffnet Elsa Drebinger, "Ich habe die weiße Fahne herausgehängt" erklärt sie den Männern vom Volksturm. Einer feuert sofort auf den Oberkörper der Frau. Tödlich getroffen sinkt sie nieder.

In der Südstadt waren die Amerikaner bis zum 10. April 1945 in die Gegend um den Südbahnhof vorgedrungen. Das US-Bataillon I/399, das schon an der Badstraße über den Neckar gekommen war und den Brückenkopf nach Südosten zur Zuckerfabrik, Knorr und Südbahnhof erweitert hatte, erhielt den Auftrag gegen die Schlieffen- und Priesterwaldkaserne im Süden der Stadt vorzugehen. Dabei wurde es von dem Bataillon II/399 unterstützt.
Dieses Bataillon war erst am 12. April 1945 bei den Wertwiesen über den Neckar gekommen und gegen Sontheim und Flein vorgegangen. Im Verlauf dieser letzten Aktionen ist es dann am Ortseingang von Sontheim und bei den Kasernen noch einmal zu erbitterten Gefechten mit den deutschen Kampfgruppen gekommen, die sich in Sontheim 18 Stunden lang den angreifenden Amerikanern entgegenstellten. Bei dem Kampf um die Kasernen mußten die Amerikaner schließlich Jagdbomber einsetzten, um die deutsche Gegenwehr zu brechen.
Nach der Besetzung der Kasernen am Nachmittag des 12. April 1945 ging das US-Bataillon I/399 mit mehreren Spähtrupps gegen die Waldränder im Osten Heilbronns vor, um auch dort die letzten Widerstandsnester auszuheben.
Am 13. April 1945, um 10.30 Uhr, nimmt ein amerikanischer Spähtrupp dann einen deutschen Melder gefangen, bei dem sie einen Befehl von Hauptmann Prior an den Kompanieführer einer anderen deutschen Kampfgruppe finden. Es heißt dort: "Feind in den Kasernen! Einige zurückgehende Einheiten werden zwischen Ludwigschanze und Staufenberg aufgenommen und neu zugeteilt. Stellungen um jeden Preis halten! Feuer auf den vorrückenden Feind auf größtmögliche Entfernung eröffnen! Gez. Prior."
Für die deutsche Wehrmacht war Heilbronn ein idealer Platz für einen letzten verzweifelten Kampf. Der tiefe, schnell fließende Neckar bildete eine ausgezeichnete Verteidigungssperre. Da drei Straßenbahnbrücken und eine Eisenbahnbrücke, die in die Stadt führten, gesprengt waren, stellte das Überschreiten des Neckars für die Amerikaner eine langwierige Operation dar.
Hinter der Stadt lagen im Halbkreis eine Gruppe von leicht zu verteidigenden Hügel, die bis zu ihren Gipfeln fast kahl waren und oben dichte Wälder trugen, die ein vorzügliches Versteck für die deutsche Artillerie boten und den Deutschen die ungehinderte Beobachtung eines jeden Zolls des Neckars von Neckarsulm im Norden bis Sontheim im Süden gewährleisteten.
Die dicken Steinwände der zahlreichen Fabrikgebäude in Heilbronn bildeten dagegen kleine Festungen für sich. Unter den Gebäuden verband ein Labyrinth von Tunnels die verschiedenen Teile der Stadt. Diese Tunnels erlaubten den deutschen Soldaten hinter den Linien der Amerikaner in Gebäuden einzudringen, die schon von den US-Truppen genommen worden waren. Während des amerikanischen Angriffs auf Heilbronn wurde auch ein komplizierter Plan zur Verteidigung der Stadt, Häuserblock um Häuserblock, bei einem gefangenen Deutschen gefunden.
Ein anderer Faktor bei der Entscheidung der Deutschen, Heilbronn zu verteidigen, war die Zahl der Truppen, die zu dieser Zeit zur Verfügung stand. Für viele zerschlagene Wehrmachtseinheiten und einzelne Nachzügler, die sich vom Rhein her zurückzogen, war Heilbronn das Zentrum für die sogenannte Neuaufstellung.
Als die Amerikaner die Stadt erreichten, befanden sich einige Tausend Mann starke deutsche Truppen dort, zusätzlich zu den zahlreichen örtlichen Volkssturmeinheiten. Hier also, am Beginn des großen Neckartales und der Straßen, die südwärts nach Stuttgart und ostwärts nach Ulm und zur legendären "Alpenfestung" führen, leistete die Wehrmacht ihren verzweifelsten Widerstand des Krieges im Raum Heilbronns.

Aus "zuverlässige Aussagen" deutscher Kriegsgefangener erfahren die amerikanischen Vernehmungsoffiziere, dass Heilbronn nur deshalb verteidigt werde, weil zufällig deutsche Ausbildungs- und Einsatzeinheiten in den Heilbronner Kasernen untergebracht waren.
Dass deutsche Offiziere den Amerikanern gegenüber die Zufälligkeit der starken Gegenwehr betonen, zeigt, dass auch sie in dieser letzten Kriegsphase die größeren Zusammenhänge nicht kannten.
Heilbronn bot sich der deutschen Führung auf Grund seiner Lage und Verteidigungsmöglichkeiten geradezu an, sich den Amerikanern entgegenzustellen. Auf Grund der weiträumigen Entwicklungen bei der deutschen Heeresgruppe G, war Heilbronn in den Nahtbereichen zwischen der 1. Armee und der 19. Armee gekommen. Ein zu schneller Durchbruch des VI. US-Corps bei Heilbronn hätte für beide deutsche Armeen die Gefahr der Trennung und der Einschließung heraufbeschworen.
Erst als am 8. April 1945 die Gefahr eines amerikanischen Durchbruchs am Ostflügel der 1. deutsche Armee auf Nürnberg immer wahrscheinlicher wurde, zog die Oberkommando der Wehrmacht aus dem Heilbronner Raum die 2. Gebirgsdivision und die 17. SS-Panzergrenadierdivision "Götz von Berlichingen" ab und überließ den eigentlichen Heilbronner Stammeinheiten allein das weitere Kampfgeschehen.
Nach amerikanischen Beurteilungen wurden die ab dem 9. April 1945 in Heilbronn noch eingesetzten Kampfgruppen Prior, Sendelbach, Ernst, May, Schönbein und Wagensee, um nur einige zu nennen, bewußt geopfert, um den Abzug anderer deutscher Truppen zu decken.
Dass die deutschen Verteidiger mit relativ geringen Kräften die Amerikaner bei Heilbronn so lange aufhalten konnten, ist neben den bereits erwähnten Gründen auch noch auf einen weiteren Umstand zurückzuführen.
Heilbronn war in den ersten Apriltagen für die Amerikaner nur eine Art Nebenkriegsschauplatz. Eine Entscheidung im Südabschnitt der alliierten Streitkräfte in Deutschland musste nicht unbedingt schnell erzwungen werden. Hauptfrage und Streitpunkt für die Alliierten war, ob ein weiterer Vorstoß nach Berlin notwendig sei und wo man sich mit den russischen Streitkräften treffen wolle.

Eine Offensive nach Süden ins Donautal und nach Bayern hatte in diesen Tagen drittrangige Bedeutung. Erst nach dem Stillstand der Amerikaner an der Elbe am 16. April 1945, begann eine verstärkte Südoffensive gegen die gefürchtete sogenannte "Alpenfestung".
An eine Wende an die "Vergeltung" oder "Vorsehung" und an die "Wunderwaffen" glaubte jetzt in Deutschland niemand mehr. Soldaten besorgten sich Zivilkluft, Parteiabzeichen verschwanden von den Rockaufschlägen, Parteibücher wurden verbrannt. Am 8. Mai 1945 war der Krieg zu Ende. Die Leiden gingen weiter. Millionen wurden aus ihrer Heimat vertrieben, Zehntausende verhungerten und erfroren.
Mit dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Staates wurden auch alle Kriegsgefangenen der deutschen Wehrmacht, Zwangs- und Fremdarbeiter aus Industrie und Landwirtschaft, KZ-Häftlinge und politisch Verfolgte frei: Bei Kriegsende in den westlichen Besatzungszonen 5.846.000 Menschen.
Zur Bewältigung der damit verbundenen Probleme hatten bereits im November 1943 in weiser Voraussicht 54 Staaten eine Hilfsorganisation geschaffen, die zur Aufgabe bekam, DPs - displaced persons, verschleppte Personen - in ihre Heimatländer zurückzuführen: die UNRRA - United Nations Relief am Rehabilitation Administration.

Aus den Ruinen, die das sogenannte Tausendjährige Reich zurückgelassen hatte entstand bald das neue demokratische Heilbronn und wurde Stück für Stück zum blühenden Oberzentrum der Region Franken im Nordosten von Württemberg.
Als die lebhafte Diskussionen über das Wettrüsten in Ost und West in den 80er Jahren laut wurde, erinnert man sich in Heilbronn wieder der vorausgegangenen Kriegsgreul.
Die "Pershing" - Boden-Boden-Raketen zum Einsatz nuklearer Sprengköpfe - benannt nach General John Pershing, Oberbefehlshaber der US-Truppen im Ersten Weltkrieg in Europa, wurde zum Schlüsselbegriff, wenn es darum ging, die größte Angst der Nachkriegsgeneration zu formulieren.
Auf dem Höhepunkt des atomaren Wettrüstens wurde sich jeder in Heilbronn darüber klar, direkt im Umfeld der Waldheide wohnend an einem Punkt zu leben, den die Supermächte für einen atomaren Erstschlag ausgewählt hatten. Dieses Bewußtsein machte die Generationen nach Hitler, der mit seiner Wehrmacht vierzig Jahre zuvor den halben Erdball in Brand gesetzt hatte, zu überzeugten Pazifisten.
In Heilbronn endet das "Tausendjährige Reich" Hitlers für rund zwei Millionen deutscher Kriegsgefangener im "Prisoner-of-War-Camp 10" (P.W.E. 10) auf der Trappenhöhe in Böckingen. Zeitweise sind in den Kriegsgefangenenlager bis zu 220.000 Soldaten zwischen Stacheldraht auf engstem Raum zusammengepfercht.
Die Gefangenen müssen anfangs erst auf freiem Feld hausen, gruben sich Erdlöcher, ernähren sich von Gras, roh oder gekocht. Manche sterben an Unterernährung, einige begehen Selbstmord, viele verlieren den Gedanken an die Zukunft. Das P.W.E. 10 in Böckingen ist das größte Kriegsgefangenenlager der Nachkriegs-Zeit in Süddeutschland. Die hohe Gefangenenzahl von über zwei Millionen ergibt sich daraus, dass es lange Zeit ein Durchgangs- und Entlassungslager ist, das viele Gefangene schon nach kurzer Zeit wieder frei gibt.
Die meisten Gefangenen des P.W.E. 10 verdanken ihr Leben Pfarrer Theodor Zimmermann und seiner "Aktion Brotlaib". Die ganze Bevölkerung des Unterlandes spendete mit. Innerhalb einer Woche werden 5.000 Brotlaibe ins Lager geschmuggelt. Die amerikanischen Wachposten merken es, greifen aber nicht ein. Eine humanitäre Geste, wie sie zur Zeit Hitlers für Zwangsarbeiter, Sinti, Roma, Juden und politische Häftlinge unvorstellbar gewesen wäre.