Zum Thema: Dr. Peter Bümlein
Die Stadt Filderstadt entstand im Jahr 1975 durch den Zusammenschluss der fünf selbstständigen Gemeinden Bernhausen, Bonlanden, Harthausen, Plattenhardt und Sielmingen, rund 15 km südlich der Stuttgarter City gelegen. Die Geschichte der Dörfer war stark von der Landwirtschaft geprägt, die auf den fruchtbaren Böden der Filder eine gute Grundlage hatten. Seit den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wandelte sich allmählich der Charakter von Bauern- zu Arbeiterdörfern.

Auch auf dem Gebiet von Filderstadt zeigte der Nationalsozialismus seine Auswirkungen. So gab es 1933 Gegner und Befürworter des Nationalsozialismus, es gab viele Beispiele der Verfolgung politisch Andersdenkender und Behinderter. Während des Zweiten Weltkriegs mussten hunderte von Menschen aus vielen europäischen Ländern auf dem Flughafen Zwangsarbeit leisten, teilweise auch in der Landwirtschaft. In einigen Bereichen waren die Filderdörfer auch von der "großen Politik" tangiert, wie z.B. beim Autobahnbau oder dem des Stuttgarter Flughafens.

In Filderstadt setzt man sich seit vielen Jahren mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinander. In den 80er Jahren kam aus dem Gemeinderat der Antrag, die Zeit des Nationalsozialismus wissenschaftlich aufarbeiten lassen. 1990 vergab die Stadt ein Stipendium an die Kulturwissenschaftlerin Gudrun Silberzahn-Jandt, um dieses Thema umfassend als Dissertation erforschen zu lassen. Als Ergebnis eingehender Archivarbeit und zahlreicher Interviews erschien 1994 ihre Doktorarbeit unter dem Titel "Vom Pfarrberg zum Hitlerplatz. Fünf Dörfer während der Zeit des Nationalsozialismus. Eine Topographie" als Band 9 der Filderstädter Schriftenreihe.

Am 8. Mai 1995 - 50 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges - wurde in Filderstadt ein Gedenkstein eingeweiht, der an die Opfer des KZ-Außenlagers Flughafen erinnert, das sich am Rande des Flughafen-Geländes im Winter 1944/45 befand. Rund 600 Männer jüdischen Glaubens mussten hier unter furchtbaren Bedingungen Zwangsarbeit leisten, 111 von ihnen starben an Hunger, Kälte oder Erschöpfung.

Es ist deshalb sehr verdienstvoll, wenn die Initiative "Mahnung gegen Rechts" die Ereignisse während der Zeit des Nationalsozialismus im Internet darstellt. Gerade das Medium Internet dürfte verstärkt die jüngere Generation ansprechen. Mein Dank geht daher auch an unseren Filderstädter Mitbürger Herrn Ulrich Suckert, den Chefredakteur des Projekts.

Als ein gutes Zeichen empfinde ich es, dass gerade eine Gruppe von Schülern die Texte auf der Grundlage der Recherchen von Frau Silberzahl-Jandt im Rahmen des Schulunterrichts erarbeitet hat. Mein Dank gilt deshalb dem Leistungskurs Geschichte des Eduard-Spranger-Gymnasiums Filderstadt unter seinem Lehrer Herrn Andreas Köppel.

Dr. Peter Bümlein
Oberbürgermeister Filderstadt
(bis 2007)

Dr. Peter Bümlein, OB Filderstadt