Vielen Demokraten fällt es schwer zu begreifen, wie schnell im Jahre 1933 die rechtsextreme Bewegung des Nationalsozialismus die freiheitliche Staats- und Gesellschaftsordnung von Weimar zerstörten konnte und innerhalb kurzer Zeit ihre totalitäre Herrschaft etablierte.
Auch im heutigen Dreiländereck brachte das Hitler-Regime ohne nennenswerte Schwierigkeiten die entscheidenden Machtpositionen an sich. Das öffentliche Leben wurde von Grund auf verändert. Die Gleichschaltung vollzog sich in rasantem Tempo. Das Vorgehen des Nationalsozialismus war laut, auftrumpfend, salbungsvoll und höhnisch gegenüber Gegnern und Verfolgten. 'Heroisch' wurde als Adjektiv ebenso inflationär in Umlauf gesetzt wie 'kämpferisch', 'völkisch' und das in eine Tugend umgedeutete 'fanatisch'. Alle Haltungen hatten in der Hitler-Zeit entschlossen und stolz zu sein: Total - totaler - am totalsten.
Wenn heute besonders in den ostdeutschen Ländern gefragt wird, "warum Hitler überhaupt möglich war", geschieht das meist in einer fassungslosen Ratlosigkeit. Denn eine lokale, historisch genaue und ideologiefreie Aufarbeitung der Nazi-Zeit ist vielerorts noch nicht vollzogen. Um das gesamte Ausmaß des Grauens der NS-Herrschaft zu begreifen und künftigen Generationen eine Mahnung mit auf den Weg zu geben ist es geboten, hierüber weiter zu publizieren, zu diskutieren und zu lernen. Wer Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit verharmlost und reduziert auf ein Problem orientierungsloser, fehlgeleiteter Jugendlicher verkennt die Gefahr. Wer alleine auf die rechten Gewalttäter blickt, übersieht den Kern des Problems: Es ist ein bestimmtes gesellschaftliches Umfeld, das dieser Gewalt und dieser Gesinnung erst Raum gibt.
Die Journalisten-Initiative "Mahnung gegen Rechts" hat im Auftrag des Bündnisses für Demokratie und Toleranz eine zeitgemäße Dokumentation für das Internet erarbeitet, die in umfassender Weise weltweit die einschlägigen Archive auswertet und hat ein Werk geschaffen, das nicht nur Stadt- und Landesgeschichtliches Neuland erschließt. Die Internet-Leser werden nicht nur vielseitig informiert, das Programm ist auch anschaulich und lebendig geschrieben und mit zahlreichen Dokumenten und Fotos angereichert.
Ich würde mir wünschen, dass diese neue Form der Geschichtspräsentation über das Internet bei allen Oberlausitzern eine gute Aufnahme und reges Interesse findet.
Günter Vallentin
Landrat Löbau / Zittau a.D.