Flüsterwitze
Im Dritten Reich hat sich der politische Witz als Ausdruck einer unterschwelligen Widerstandsbewegung erwiesen. Neben den Opfern des Faschismus belegten Anti-Nazi-Witze das seit dem "Machtantritt" unaufhörlich auch mit der "Waffe des Geistes" gegen den Nationalsozialismus gekämpft worden ist. Die Reaktionen der braunen Machthaber wurde mit der Zeit immer schärfer und wütender, bis schließlich der, der einen "Witz riß" und dabei von einem Denunzianten gemeldet wurde, als "notorischer Volksschädling" oder "Wehrkraftzersetzer" den Kopf riskierte.


Paul: "Was gibt es für neue Witze?"
Otto: "Sechs Monate." (1938)


Ein Mann ist in einer Kinderwagenfabrik beschäftigt. Da er kein Geld hat, aber für seine Frau einen Kinderwagen haben möchte, "beschafft" er sich die einzelnen Fabrikationsteile aus den verschiedenen Abteilungen. Als er sie zu Hause zusammensetzt, was meinen Sie wohl, was daraus geworden ist? Ein Maschinengewehr! (1937)


"Die Reichsregierung hat die Wüste Sahara gekauft."
"Warum?"
"Um dem deutschen Volk mehr Sand in die Augen streuen zu können." (1938)


Das bisherige Strafgesetzbuch ist zu kompliziert und erscheint überflüssig. Es soll ein neues in Kraft gesetzt werden, das nur aus folgenden drei Paragraphen besteht:
§1: Wer etwas unternimmt oder unterläßt, wird bestraft
§2: Die Höhe der Strafe richtet sich nach dem gesunden Volksempfinden.
§3: Was gesundes Volksempfinden ist, bestimmt der zuständige Gauleiter. (1934/35)


"Wer ist der größte Elektriker?"
"Adolf Hitler! Er hat 80 Millionen gleichgeschaltet, Kraft durch Freude erzeugt, Deutschland isoliert, Moskau ausgeschaltet, Italien eingeschaltet und Rom (Röhm) geerdet." (1939)


"Warum hat der Nationalsozialismus gesiegt?"
"Weil er eine 'ansteckende' Krankheit ist." (1934)
(Gemeint sind die Abzeichen, die bei Sammlungen dem Volke aufgedrängt und "angesteckt" wurden.)


Ein kleiner Landbürgermeister wird aufgefordert, die Kommunisten seines Ortes festzustellen. Da er nicht weiß, wie er sie erkennen soll, ruft er in der Stadt an.
"Kommunisten? Das sind Leute, die nichts tun und viel verdienen wollen."
"Ach, da haben wir nur zwei: den Pfarrer und den Lehrer." (1933)


Der Pfarrer besucht den Ortsbauernführer. Er sieht, daß der Bauer ein Bild Hitlers zwischen die Bilder des Papstes und eines deutschen Kardinals gehängt hat.
"Aber, aber, warum haben Sie das getan?" ruft er bestürzt. "Das Bild Hitlers paßt doch gar nicht dorthin!"
"Doch, doch, Hochwürden", erklärt der Bauer, "Jesus hing doch auch zwischen zwei armen Sündern!" (1937)


Die Länder sind gleichgeschaltet. Wir haben jetzt keine Preußen, Sachsen, Bayern oder Badener mehr, es gibt nur noch Braun-Schweiger. (1933)


"Wie geht es Ihnen?" fragte jemand einen Bekannten.
"Wie einem jüdischen Rechtsanwalt."
"Was wollen Sie damit sagen?"
"Nun – ich kann nicht klagen!" (1935)


Der Zigarettenmarke "Alva" wurden 1934 Abbildungen der NS-Führer beigelegt. Seitdem wird "Alva" übersetzt in "Alles Lumpen von Adolf!"


"Welches sind die drei besten Fotographen der Welt?"
"Mussolini, Hitler und Goebbels.
Mussolini entwickelt, Hitler kopiert und Goebbels vergrößert." (1935)


Goebbels Propaganda hat "das schlichte Edelweiß" als des Führers Lieblingsblume bezeichnet. Der Volksmund erfand dazu für Göring "Fette Henne", für Goebbels "Löwenmaul" – und für die Deutschen "Zittergras". (1938)


"Wer ist der größte Bauer?"
"Adolf Hitler. Er hat 65 Millionen Rindviecher und den größten Saustall." (1935)


Hitler war stets musikempfänglich. Mit Händel fing er an, mit Liszt kam er zur Regierung, aus dem Volk kamen die Kreutzer zur Aufrüstung, dann kam das Schütz-Jahr, das mit Grieg endet – und nun ist es mit allem Hindemith (hin damit). (1940)


Zur Wahlzeit 1936 standen an allen Baustellen Schilder mit der Aufschrift "Daß wir hier bauen, verdanken wir dem Führer!" Eines Tages hatten Unbekannte auch am ausgebrannten Reichstag ein solches Schild angebracht! (1936)


Goebbels kommt in den Himmel. Er begegnet Götz von Berlichingen, der sich vorstellt: "Götz von Berlichingen mit der eisernen Faust!"
Goebbels antwortet: "Goebbels, der Mann mit der feurigen Zunge!"
Da dreht sich Götz um und sagt über die Schulter: "Und dennoch...!" (1937)


Goebbels kommt eines Tages zu Hitler und schlägt vor – da ihm der Führer zu mächtig geworden ist -, statt "Heil Hitler!" wieder das altdeutsche "Guten Tag" einzuführen.
Hitler wehrt ab: "Nein, nein, mein lieber Goebbels! Solange ich dran bin, gibt's keinen guten Tag!" (1935/36)


Ein angetrunkener Arbeiter betrachtet tiefsinnig die frisch gestrichenen roten Briefkästen und hält folgendes Selbstgespräch: "Jetzt bist du rot, und ich bin blau, früher warst du blau, und ich war rot! Aber du darfst auch heute noch die Klappe aufmachen, ich aber nicht." (1935)


"Welcher Unterschied besteht zwischen dem Dritten Reich und der Straßenbahn?"
"Keiner. In beiden Fällen steht vorn der Führer. Hinter ihm steht das Volk. Und wer nicht hinter ihm steht, der sitzt. Dauernd wird kassiert. Abspringen während der Fahrt ist verboten!" (1938)


Kommt jemand zu einem Bauern und will ein Schwein kaufen. "Es muß aber ein arisches sein!"
Fragt der Bauer: "Arisch? Woran erkenne ich das?"
"Nun, es muß Borsten haben wie Hitler, ein Maul wie Goebbels und ein Bauch wie Göring.! (1934)


Müller trifft seinen Freund auf der Straße. "Wie geht's, wie geht's?" fragt er aufgeräumt. "Bandwurmmäßig", antwortet der kurz angebunden. Kopfschüttelnd meint Müller: "Bandwurmmäßig? Wieso?"
"Ganz einfach, lieber Müller! Man muß sich durch die braune Masse schlängeln und aufpassen, daß man nicht abgeführt wird." (1935)


Ein SA-Mann flüstert seinem Freund zu: "Der Reichstag brennt!" Der Freund schaut sich um, legt den Finger auf den Mund und sagt: "Pst! Erst morgen!" (1933)


Bei einem Presseempfang im Propagandaministerium sagte Goebbels zu einem amerikanischen Journalisten: "Wenn Ihr Roosevelt eine SS hätte wie Hitler, dann gäbe es keine Gangster mehr bei euch."
"Gewiß", erwiderte der Amerikaner bedächtig, "die wären jetzt schon lange Standartenführer." (1934)


Ein SA-Mann sucht einen Juden zu provozieren: "Sag mal, Jude, wer trägt die Schuld daran, daß wir den Krieg verloren haben?"
"Die jüdischen Generäle, denke ich."
"Gut, gut", sagt verblüfft der SA-Mann und fügt nach einigem Nachdenken hinzu: "Aber wir hatten doch gar keine jüdischen Generäle!"
"Wir nicht – aber die anderen!" (1935)


Adolf, Hermann und Josef sitzen in einem Lokal. Am Nebentisch sehen sie eine interessanten Frau und streiten sich darüber, ob sie arisch oder jüdisch ist. Schließlich soll Goebbels Gewißheit schaffen. Er setzt sich zu ihr und fragt sie: "Wissen Sie, wann die Juden ihren höchsten Feiertag haben?"
"Wenn ihr drei nicht mehr da seid!" (1936)


Ein Mann geht umher und erklärt überall: "Erst komme ich, dann kommt Hitler!"
Er wird zur Polizeiwache gebracht und gefragt, wie er dazu komme, so etwas zu behaupten.
"Weil es stimmt – und weil ich es beweisen kann!"
"Wie heißen Sie?"
"Heil!" (1941)


Aus dem italienischen Wehrmachtsbericht:
"Einer italienischen Einheit gelang es gestern, an der Tobruk-Front einen feindlichen Radfahrer zum Absteigen zu zwingen. Das Vorderrad wurde am Boden zerstört. Mit dem Verlust des Hinterrades ist zu rechnen. Die Lenkstange befindet sich in unseren Händen. Um den Rahmen wird noch gekämpft."
 
Hitler, Göring und Goebbels sitzen im Unterstand. Wer wird gerettet, wenn der Unterstand einen Volltreffer erhält?
Antwort: Deutschland (1943)


Das Auto des Führers fährt den Hund eines Fleischers tot. Adolf schickt den Chauffeur in den Fleischerladen, um sich zu entschuldigen und Schadensersatz anzubieten. Der Chauffeur sagt: "Heil Hitler! Der Hund ist tot..."
Da ruft der Fleischer: "Endlich! Hier, nehmen Sie die großen Würste mit!" (1943)


Hitler ißt jeden Morgen ein Ei zum Frühstück. Seit einigen Tagen bekommt er es nicht mehr, und seine Schwester, die ihm den Haushalt führt, erklärt, die Hühner legen nicht. Da befiehlt der Führer, daß die Hühner antreten sollen. Er hält eine donnernde Rede an die Hühner, voller Patriotismus – und droht ihnen schließlich Strafe an, wenn sie nun keine Eier legen würden. Da tritt der Hahn vor und erklärt im Namen der Hennen: "Mein Führer, ich warne Sie! So kommen Sie nie zu Eiern, denn wenn die Brutalität beginnt, hört die Legalität auf!" (1943)


Lieber ein Kaiser auf Gottes Gnaden, als ein Mörder von Berchtesgaden. (1943)


"Wann gibt es wieder Schlagsahne?"
"Wenn alle Hitler-Bilder entrahmt sind." (1944)


Es ist ein Heß entsprungen
Aus einer Messerschmitt.
Wie es die Alten sungen:
"Ich mach nicht mehr mit!"


"Was ist paradox?"
"Wenn im Dritten Reich der zweite Mann als erster türmt."


Rudolf Heß wird auch Churchill vorgestellt, der ihn fragt: "Also Sie sind der Verrückte!"
"Nein", erwiderte Heß, "ich bin nur sein Stellvertreter!"


Das Telefon läutet bei Müllers. Falsche Verbindung. Eine Stimme sagt: "Entschuldigen Sie, ich habe falsch gewählt."
Müller antwortet: "Das haben wir alle!" (1939)


Kennst du den Unterschied zwischen Christentum und Nationalsozialismus?
Sehr einfach!
Beim Christentum starb einer für alle – beim Nationalsozialismus sollen alle für einen sterben! (1944)


Schulthema: "Würde sich Werther erschossen haben, wenn er in der HJ gewesen wäre?" Wer den besten Aufsatz schreibt, darf selbst ein neues Thema stellen. Fritz glückt es. Er stellt das Thema: "Wäre die Jungfrau von Orleans noch Jungfrau, wenn sie im BDM gewesen wäre?" (1943)


"Was ist eine Ironie der Weltgeschichte?"
"Daß der Scharfrichter der Hölle Himmler heißt."


Zehn kleine Meckerlein
Zehn kleine Meckerlein,
die saßen einst beim Wein.
Der eine ahmte Goebbels nach,
da waren es nur noch neun.

Neun kleine Meckerlein,
die haben sich was gedacht.
Der eine hat es laut gedacht,
da waren es nur noch acht.

Acht kleine Meckerlein,
die hatten was geschrieben.
Bei einem ist es rausgekommen,
da waren es nur noch sieben.

Sieben kleine Meckerlein,
die fragte man: "Wie schmeckt's?"
Der eine sagte: "Schweinefraß!",
da waren es nur noch sechs.

Sechs kleine Meckerlein,
die trafen einen Pimpf.
Der eine sagte "Lausejung!",
da waren es nur noch fünf.

Fünf kleine Meckerlein,
die saßen am Klavier.
Der eine spielte Mendelssohn,
da waren es nur noch vier.

Vier kleine Meckerlein,
die sprachen über Ley.
Der eine sagte: " Immer blau",
da waren es nur noch zwo.

Zwei kleine Meckerlein,
die glaubten, es hört sie keiner.
Der eine hat 'nen Witz erzählt,
da war es nur noch einer.

Ein kleines Meckerlein
Ließ diese Verse sehn.
Da sperrt man es in Dachau ein,
und jetzt...sind's wieder zehn.


In einer Napola (Nationalpolitische Erziehungsanstalt) macht der Gauleiter einen Besuch. Die Schüler wissen schon, welche Antworten von ihnen erwartet werden. Diesmal gibt es eine Überraschung.
"Wer ist dein Vater?" – "Adolf Hitler!"
"Wer ist deine Mutter?" – "Deutschland!"
"Und was möchtest du werden? " – "Vollwaise!" (1944)


Horst-Wessel-Lied-Variante 1944:
Die Preise hoch, die Läden fest geschlossen,
Die Not marschiert mit unentwegtem Schritt –
Und Adolf, Hermann, Joseph und Genossen,
sie hungern – aber nur im Geiste mit!


Zwei Juden treffen sich. Der eine sagt: "Ich habe zwei Nachrichten – eine guten und eine schlechte. Welche soll ich zuerst erzählen?"
"Nu sag schon die gute."
"Hitler ist tot!"
"Sehr gut, sehr gut! Und die schlechte?"
"Es soll wahr sein!" (1943)


Ein Afrikakämpfer erzählt:
"Was es in Afrika so alles gibt! Wir haben eine Wasserleitung aus Kameldärmen."
Erwidert ein Arbeiter:
"Das ist gar nichts! Wir haben eine Kreisleitung aus Wasserköpfen!" (1942)


"Wissen Sie schon", fragte jemand einen Bekannten, "daß die Gasmaskenproduktion eingestellt werden mußte?"
"Warum?"
"Weil die alten Modelle nicht mehr paßten. Die Gesichter sind zu lang geworden." (1943)


"Zarah Leander ist ins Führerhauptquartier bestellt worden."
"Warum?"
"Sie soll dort singen: 'Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn...'" (1943)


In der Schule wird das Thema "Kriegsschuld" behandelt. Der kleine Fritz schreibt den Aufsatz: "Den uns aufgezwungenen Krieg hätten wir nicht anfangen dürfen!" (1943)


"Wann ist der Krieg zu Ende?"
"Wenn der Berliner Volkssturm mit der S-Bahn an die Front fährt!" (1945)


"Alle Kinderwagen werden jetzt beschlagnahmt."
"Warum?"
"Der Jahrgang 1943 wird an die Front gefahren." (1944)


Göring wird jetzt nicht mehr Hermann genannt, er heißt auch nicht mehr Meyer, sondern von nun ab Tengelmann: an jeder Ecke eine Niederlage! (1944)


Ruf aus dem Radio:
"Achtung, Achtung! Hier ist der Divisionsgefechtsstand. Die Spitzen der Partei haben die Luftschutzbunker erreicht. Es ist daher in Kürze mit Alarm zu rechnen!" (1944)


Lehmanns haben sich mit viel Mühe eine Gans gesichert. Da es noch acht Tage bis Weihnachten sind, hängen sie die Gans draußen ans Balkongitter. Eines Tages war die Gans verschwunden. Statt ihrer hing am Balkongitter ein Zettel: "Vom Feindflug nicht zurückgekehrt." (1940)


"Wie sieht Weihnachten 1944 aus?"
"Es regnet Christbäume vom Himmel, die Flak liefert Kugeln, Goebbels erzählt Märchen, das deutsche Volk zündet Kerzen im Keller an und erwartet die Bescherung von oben."


Spruch alter Nazis:
Wir eilten gern in die Partei
Und waren überall dabei.
Wir waren eifrige Profitler
Und schrien laut und oft "Heil Hitler!".
Wir sah'n in ihm ein höheres Wesen.
Doch Nazis sind wir nie gewesen!